Plakat der KPD
Aufruf der KPD zur Neugründung nach dem Krieg
Demonstration für die Wiedervereinigung Deutschlands
Plakat gegen die Re-Militarisierung
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Kampf für Demokratie und nationale Einheit
Die deutsche Arbeiterklasse hatte den Hitler-Faschismus nicht aus eigener
Kraft zerschlagen. Es war in erster Linie die Rote Armee der Sowjetunion
gewesen, die ihn in die Knie gezwungen hatte. In dieser Situation konnte
der Kampf für den Sozialismus nicht die anstehende Tagesaufgabe sein,
weder in der sowjetischen Besatzungszone noch in den von den westlichen
Alliierten besetzten Zonen. Es galt zunächst, den Faschismus mit
Stumpf und Stiel auszumerzen, für die Bestrafung der Kriegsverbrecher
und die Zerschlagung und Enteignung der Kriegsverbrecher-Konzerne zu kämpfen
und den Aufbau eines demokratischen Deutschlands in Angriff zu nehmen.
So erklärte denn das ZK der KPD in seinem Aufruf vom 11. Juni 1945
an das deutsche Volk, daß es falsch wäre, "Deutschland
das Sowjetsystem aufzuzwingen", daß vielmehr ein anderer Weg
eingeschlagen werden müsse, der "Weg der Aufrichtung eines antifaschistischen,
demokratischen Regimes, einer parlamentarisch-demokratischen Republik
mit allen demokratischen Rechten und Freiheiten für das Volk".
Doch welchen Klassencharakter hätte ein solches Regime gehabt? Dies
wäre letztlich durch den Kampf der Klassen entschieden worden, doch
ein schwacher bürgerlicher Staatsapparat auf der Grundlage konsequenter
Entnazifizierung wäre eine günstige Kampfbedingung für
die Arbeiterklasse gewesen, ihre weitergehenden Klasseninteressen durchzusetzen.
Jedenfalls dann, wenn es der KPD gelungen wäre, das Vertrauen des
größten Teiles der Arbeiterklasse zu gewinnen. Wenn dies der
KPD aber nicht gelungen wäre, dann wäre es ohnehin ein schwerer
Fehler gewesen, zu versuchen, einen "Sozialismus" zu errichten,
der sich hauptsächlich auf die Bajonette einer Besatzungsmacht stützte.
Neben dieser richtigen Orientierung aber enthielt der Aufruf des ZK der
KPD einen schwerwiegenden Fehler, nämlich die These von der angeblichen
Kollektivschuld des deutschen Volkes am Faschismus. "Das deutsche
Volk" im Ganzen sei "zum Werkzeug Hitlers und seiner imperialistischen
Auftraggeber" geworden, "in jedem deutschen Menschen" müsse
"Scham brennen". Gewiß, für allzuviele traf durchaus
zu, daß sie mitschuldig waren, auch für Teile der Arbeiterklasse,
doch das ganze deutsche Volk?
Viele ArbeiterInnen und Angehörige anderer Klassen und Schichten
unterschiedlichster politischer und weltanschaulicher Überzeugung
hatten mit großem Mut gegen die Faschisten gekämpft und große
Opfer gebracht. Die Kollektivschuldthese war nicht nur ein zufällig
falscher Zungenschlag, sondern in gewisser Hinsicht eine Vorwegnahme dessen,
was später in der DDR geschah: Eine so "unmündige"
Bevölkerung, die angeblich im Ganzen zum Werkzeug der faschistischen
Verbrecher geworden war, darf - einschließlich ihrer Arbeiterklasse
- nicht selbsttätig handeln. Die Entscheidungen sollen folglich von
"fürsorglichen" Funktionären getroffen werden, die
"am besten wissen", was gut für die Menschen ist - und
das für immer und ewig.
Doch eilen wir nicht zu weit voraus. Die grundlegende Orientierung der
KPD war richtig, und in der sowjetischen Besatzungszone wurden mit der
Entnazifizierung und der Nationalisierung der Kriegsverbrecherkonzerne
die Grundlagen des deutschen Imperialismus zerstört. Die imperialistischen
westlichen Besatzungsmächte verhinderten unter Bruch des Potsdamer
Abkommens, daß in ihren Besatzungszonen das gleiche geschah. Insbesondere
der US-Imperialismus verfolgte das Ziel, Deutschland zu spalten und Westdeutschland
als imperialistische Speerspitze gegen das sozialistische Lager aufzubauen.
Sie fanden deutsche Handlanger, deren politischer Führer, Konrad
Adenauer, den berüchtigten Satz prägte: "Lieber das halbe
Deutschland ganz als das ganze Deutschland halb."
Diese Haltung des nationalen Verrats entsprach den Klasseninteressen
der deutschen Monopolherren. Sie, die Drahtzieher des Faschismus und des
2. Weltkrieges, waren bereit, Deutschland zu spalten, um in Westdeutschland
ihre Macht wiederherzustellen. Und 1949 vollzogen sie durch Gründung
des westdeutschen Separatstaates die staatliche Spaltung der deutschen
Nation. Der Kampf der KPD um Demokratie und um die Wiederherstellung der
deutschen Einheit gewann damit besondere Bedeutung.
In der deutschen Linken hat das Wort "Nation" heute einen schlechten
Klang. Das beruht unter anderem darauf, daß die Hitlerfaschisten
ihre abscheulichen Verbrechen unter anderem damit "begründeten",
sie würden für die "Nation" kämpfen. Doch man
darf auf ihre Demagogie nicht hereinfallen: Sie kämpften allein für
die Profitinteressen der deutschen Monopole. Für KommunistInnen ist
eine Nation gewiß nichts Heiliges und Ewiges; mit dem Sieg des Kommunismus
auf der ganzen Welt werden die Nationen abgestorben sein. Doch solange
Nationen existieren, muß man mit ihnen als einer realen Kraft rechnen.
Nationen haben Rechte, und KommunistInnen müssen diese Rechte verteidigen,
insbesondere dann, wenn Imperialisten diese Rechte mit Füßen
treten. Und die KPD trat für die Rechte der deutschen Nation ein,
ebenso wie die damals noch sozialistische Sowjetunion. Das hatte revolutionäre
Sprengkraft, das richtete sich vor allem gegen den US-Imperialismus, die
neue Führungsmacht der kapitalistischen Welt, sowie gegen das Adenauer-Regime,
das die Interessen der Kriegsverbrecher-Konzerne vertrat und sich an den
US-Imperialismus anbiederte.
Wohlgemerkt: Die KPD forderte die Einheit Deutschlands nicht mit dem
unmittelbaren Ziel des Sozialismus, sondern mit dem Ziel der Schaffung
eines antifaschistisch-demokratischen Deutschlands. Das Ziel des Sozialismus
war damit aber keineswegs aufgegeben; vielmehr war der Kampf um Demokratie
und die Rechte der Nation zu diesem Zeitpunkt der entscheidende Hebel,
um an die sozialistische Umwälzung heranzukommen.
In einem Antrag der Bundestagsfraktion der KPD vom 7. Januar 1952 hieß
es: "Der Bundestag wolle beschließen: Die Bundesregierung wird
verpflichtet, unverzüglich dem Bundestag einen Entwurf eines Gesetzes
über die Durchführung gesamtdeutscher Wahlen vorzulegen."
Am 10. März 1952 unterbreitete die sowjetische Regierung den Entwurf
eines Friedensvertrages, der die Bildung einer gesamtdeutschen Regierung
und die Durchführung freier, gesamtdeutscher Wahlen beinhaltete -
die sogenannte Stalin-Note. Die KPD-Fraktion beantragte, daß dieser
Entwurf im Bundestag diskutiert werde, doch die Regierungsparteien verhinderten
es. Der damalige Innenminister Heinemann plauderte später - nämlich
am 27. November 1963 - in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus, warum:
weil "die Bundesrepublik unter allen Umständen in die NATO hineinsollte."
Im November 1952 beschloß der Parteivorstand der KPD ein "Programm
der nationalen Wiedervereinigung Deutschlands". Darin wurde unter
anderem gefordert: "Beseitigung der Spaltung Deutschlands und Wiedervereinigung
Deutschlands als einheitlicher, demokratischer, friedliebender und unabhängiger
Staat." "Alle Besatzungstruppen verlassen nach Abschluß
des Friedensvertrages das Territorium Deutschlands." "Die Betriebe
der Großkonzerne, des Bergbaues, der Eisen- und Stahlgewinnung,
der Großchemie, der Großbanken und der großen Versicherungsgesellschaften,
deren Besitzer den nationalen Verrat des Adenauer-Regimes unterstützen,
werden der Verfügungsgewalt dieser Monopolherren entzogen und in
Eigentum des Volkes umgewandelt." "Allen Betrieben, die durch
die Maßnahmen der Okkupationsmächte und durch die Kriegswirtschaftspolitik
der Adenauer-Regierung in Schwierigkeiten geraten sind, insbesondere den
kleinen Unternehmungen, Handwerksbetrieben und den landwirtschaftlichen
Betrieben, wird staatliche Hilfe gewährt. Die private Initiative
wird gefördert."
Der Kampf gegen die Wiederbewaffnung des deutschen Imperialismus wurde
nun zu einem wesentlichen Bestandteil des nationalen und demokratischen
Kampfes. Der allergrößte Teil des deutschen Volkes lehnte die
Remilitarisierung ab - die antimilitaristische Stimmung war unmittelbar
nach Kriegsende so groß, daß selbst der spätere Kriegsminister
Franz Josef Strauß damals demagogisch erklären mußte,
wer in Deutschland noch einmal ein Gewehr in die Hand nehmen wolle, dem
solle die Hand abfallen. Es entwickelte sich eine breite "Ohne-mich-Bewegung",
an der die KPD mit aller Kraft teilnahm.
Die KPD verstand es unter anderem, ökonomische Streiks mit Losungen
gegen die Remilitarisierung zu verbinden. Bei einer Demonstration gegen
die Wiederaufrüstung wurde der junge Kommunist Philipp Müller
von der Adenauer-Polizei erschossen. Die Bundesregierung verbot die Durchführung
einer Volksbefragung gegen die Remilitarisierung und für den Abschluß
eines Friedensvertrages. Die KPD versuchte, dennoch eine Befragung durchzuführen,
was zu wütenden Verfolgungen durch den westdeutschen Staatsapparat
führte. 1951 wurde das "Blitzgesetz" erlassen, ein Sonderstrafgesetz,
das sich gegen die KPD und ihre Aktivitäten richtete. 1951 verbot
die Adenauer-Regierung die Freie Deutsche Jugend. 1952 beantragte sie
das Verbot der KPD, das 1956 vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochen
wurde.
Zum Zeitpunkt des Verbots allerdings waren die revolutionären Prinzipien,
die das bürgerliche Gericht der KPD vorwarf, deren Führern bereits
peinlich geworden - so etwa das Streben nach der Herrschaft der Arbeiterklasse,
die grundsätzliche Notwendigkeit, den bürgerlichen Staat in
der sozialistischen Revolution gewaltsam zu zerbrechen usw. In der Sowjetunion
hatten die Revisionisten um Chruschtschow diese und andere Prinzipien
des Marxismus-Leninismus über Bord geworfen und versuchten, sich
mit dem Imperialismus zu versöhnen.
Die damaligen Führer der KPD orientierten sich an den Revisionisten
in Moskau und in Ostberlin. Ungeachtet dessen trotzten viele KommunistInnen
der wütenden Verfolgung durch den westdeutschen Staat, die nun einsetzte.
Viele wanderten ins Gefängnis oder wurden anderweitig verfolgt. Die
Forderung nach Aufhebung des KPD-Verbots ist bis heute eine elementare
demokratische Forderung geblieben.
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