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Probleme der KPD nach der Neugründung

Der Kampf der KPD gegen den "linken" Opportunismus

Dennoch war während des größten Teils der 70er Jahre der Einfluß des ultralinken Sektierertums in der Partei sehr stark, was die Verankerung in der Arbeiterklasse hemmte. In der Führung der Partei ersetzten Leute wie Gernot Schubert eine konkrete, an den Interessen der ArbeiterInnen und kleinen Angestellten orientierte Politik durch wortradikales "Verteidigen von Prinzipien". Während die Arbeit von Parteimitgliedern in den Gewerkschaften weiterhin vielfach sabotiert wurde, wurde auf Demonstrationen die sicherlich ungeheuer vorantreibende Losung "Nur der Griff der Massen zum Gewehr schafft den Sozialismus her" gerufen.

Leisteten Genossinnen und Genossen im Betrieb mühsame und unscheinbare Kleinarbeit, so gerieten sie leicht in den Ruf, ReformistInnen zu sein: Was taten sie eigentlich "für die Revolution"? Wurde ein Flugblatt geschrieben, so mußte der Autor bzw. die Autorin sehr darauf achten, daß auch ja alle "Grundsätze" der Partei darin "verteidigt" wurden: Fehlte etwa die ausdrückliche "Abgrenzung zum Revisionismus" oder die "Verteidigung der gewaltsamen Revolution und der Diktatur des Proletariats", so geriet man leicht in den Ruf, RevisionistIn zu sein. Begünstigt wurden derartige Praktiken durch die maoistische Theorie vom angeblich ständigen und gesetzmäßigen "Kampf zweier Linien in der Partei". In jeder Parteiorganisation vom ZK bis zur Zelle suchten die Sektierer gemäß dieser "Theorie", wer denn nun Vertreter der "bürgerlichen Linie" war.

Ernst Aust war klar, daß eine solche Ausrichtung die Partei vom Klassenkampf und von der Arbeiterklasse entfernen mußte. Er reiste von Ort zu Ort und versuchte, die Genossinnen und Genossen für eine andere Ausrichtung, für die Beteiligung am Klassenkampf, zu gewinnen. Doch ein großer Teil des zentralen Apparats arbeitete gegen seine Bemühungen. Schließlich gelang es, führende Vertreter des ultralinken Sektierertums aus der Partei zu entfernen. Wichtig für die weitere Parteientwicklung war die Rede Propaganda- oder Kampfpartei? - Kampf dem ultralinken Sektierertum vom Juli 1978 (abgedruckt im Weg der Partei 1/79), die Ernst Aust auf dem Höhepunkt des Kampfes gegen das Sektierertum hielt.

Er deckte in dieser Rede auf, daß die ultralinken Sektierer ebenso wie die rechten Opportunisten letztlich ihren Frieden mit dem Klassenfeind gemacht hatten, nur in anderer Form: Während erstere die Prinzipien offen über Bord warfen, verteidigten letztere sie scheinbar besonders radikal, verhinderten tatsächlich aber ihre Anwendung, verhinderten, daß auf Grundlage dieser Prinzipien wirkliche, konkrete Politik gemacht wurde.

Diejenigen, die sich damit nicht zufriedengaben, wurden ganz im Stile der Revisionisten als "bürgerliches Element" oder gar als "Agent" diffamiert. In seiner Rede sagte Genosse Ernst dazu: "Der Schaden ist gar nicht abzusehen, wieviele Genossen die Partei durch diese Politik der harten Schläge verloren hat. Wieviele Genossen ungerecht behandelt oder gar als Agenten abgestempelt wurden. (...) Ihr müßt euch vorstellen, wenn ein Genosse, der vielleicht einen Fehler gemacht hat, der aber ja nicht umsonst in die Partei eingetreten ist, der Opfer gebracht hat, gekämpft hat, nun plötzlich erfährt, daß man ihn für einen Agenten hält, mit dem seine Freunde nicht mehr sprechen.(...) Ist es nicht klar, daß wir aufhören würden, proletarische Revolutionäre zu sein, wenn wir in unserer Mitte Bürokratismus, Cliquenwirtschaft und Vetternwirtschaft, Herrschsucht, Karrierismus, Polizeimethoden usw. nicht schonungslos aufdeckten?" (S. 131) Ohne den Kampf, den Ernst Aust damals führte, wäre die KPD unzweifelhaft zu einer revisionistischen Partei vom Schlage der SED entartet.

Zu den Methoden der "linken" Revisionisten, mit denen sie die Partei von der Arbeiterklasse trennen wollten, gehörte auch die schematische, formelhafte Auslegung der führenden Rolle der Partei. Ernst Aust sagte hierzu: "Ein weiterer sektiererischer Fehler kommt in der falschen, kleinbürgerlichen Vorstellung von der führenden Rolle der Partei zum Ausdruck. Man geht nicht davon aus, daß die politisch-ideologische Führung einer Bewegung oder einer Organisation bei der Partei liegen muß, sondern davon, daß die Partei nach außen hin auch ja mit Namen und Zeichen in Erscheinung tritt, im Vordergrund steht. Eine solche formale, oberflächliche, von kleinbürgerlichem Geltungsbedürfnis geprägte Vorstellung von der führenden Rolle der Partei untergräbt in Wirklichkeit die politisch-ideologische Führung durch die Partei, weil sie die Partei immer wieder den parteilosen Massen gegenüberstellt, statt sich an ihre Spitze zu stellen, weil sie noch bestehende Widersprüche parteiloser Menschen zur Partei in den Vordergrund rückt, anstatt diese Menschen im gemeinsamen Kampf durch die richtige Führung dieses Kampfes zu überzeugen, sie mit Umsicht, Takt und Fingerspitzengefühl an die Partei heranzuführen." (S. 112)

Dies betrifft unter anderem die Stellung der Partei zu Massenorganisationen wie auch die Arbeit jeder Genossin und jedes Genossen im Kreise ihrer ArbeitskollegInnen, FreundInnen, Bekannten, NachbarInnen. Da, wo die Kommunistin, der Kommunist lebt und arbeitet, da sind die besten Voraussetzungen, andere Menschen zu beeinflussen. Eine zeitweilige Konzentration der Kräfte der Partei für bestimmte Ziele hat ihren Platz, doch es ist verhängnisvoll, wenn ein Stil des Hetzens von Kampagne zu Kampagne es verhindert, daß die KommunistInnen in ihrem Umfeld als KommunistInnen wirken. Genau das aber war die Politik der "linken" Sektierer. Sie verbreiteten sogar die Ansicht, die Arbeit der KommunistInnen im persönlichen Umfeld sei "eigentlich keine Parteiarbeit".

Genosse Ernst führte ein Beispiel dafür an, wozu das führte: "Eine Zelle will die Empörung der Menschen über einen furchtbar dreckigen und überhaupt unmöglichen Kinderspielplatz schüren. Was tut sie? Nach altbekannter Manier wird ein Artikel für eine Stadtteilzeitung der Partei geschrieben und in der Umgebung des Spielplatzes in die Briefkästen gesteckt. Und damit Ende! Dabei wohnen vier Genossen bei diesem Spielplatz, haben Kinder und auch schon Kontakt zu Nachbarn mit Kindern. Anstatt sich mit einem Brief, einem Rundschreiben an die Nachbarn zu wenden, um sie von Nachbar zu Nachbar zu gemeinsamer Initiative, zu gemeinsamer Aktion, zur Veränderung des Spielplatzes aufzurufen, verpufft die ganze Sache im Wind (...)" (S. 112)

Entsprechendes gilt für die Arbeit im Betrieb. Natürlich haben kommunistische Flugblätter und Betriebszeitungen ihren Platz, doch von größtem Wert sind die Aktionen von KollegInnen selbst, Aktionen gegen den Klassengegner, für unmittelbare eigene Interessen, und sei es für das kleinste, geringste Ziel. Hier war es häufig so, daß Genossinnen und Genossen schon zusammen mit ihren KollegInnen kämpfen wollten, daß aber die Ziele, für die die KollegInnen zu kämpfen bereit waren, den Parteimitgliedern zu gering erschienen. Insoweit war ein gewisses Sektierertum Ausdruck von Ungeduld, eine Kinderkrankheit der Partei. Doch diese Art von Sektierertum war nicht das schlimmste. Weit schlimmer war dasjenige Sektierertum, das in systematischer Weise von der Parteiführung selbst ausging - gegen den Widerstand von Ernst Aust. Und der Hauptgrund hierfür lag nicht - wie Genosse Ernst annahm - "in der revisionistischen Org-Struktur der Zentrale" (S. 129), wenngleich diese Org-Struktur auch ihre Rolle gespielt haben wird.

Der Hauptgrund lag in einem Wesensmerkmal des Revisionismus, welches wir erst später, nach eingehender Analyse des Entartungsprozesses sozialistischer Länder und kommunistischer Parteien, genauer auf den Punkt bringen konnten: "Ein Wesensmerkmal des Revisionismus, gleich welcher Prägung, ist ein funktionales Verhalten zu den werktätigen Massen, eine Haltung der Fremdbestimmung über sie, die Einstellung, sie als Manövriermasse zu betrachten. Sie sollen nicht anhand ihrer eigenen Erfahrungen durch die Partei zu Selbsttätigkeit im Sinne des gesellschaftlichen Fortschritts, im Sinne der Vergesellschaftung, (das bezieht sich unmittelbar auf den Sozialismus und gilt in Bezug auf den Kapitalismus entsprechend, RM) erzogen werden, sondern sie sollen ´die richtigen Losungen der Partei aufgreifen´, andernfalls sind sie reaktionär und müssen eben noch entsprechende Erfahrungen machen, um zu sehen, daß ´die Partei schon recht hat´.

Entsprechendes gilt innerhalb der Partei: Der Revisionismus ist nicht bestrebt, möglichst alle Parteimitglieder in die Lage zu versetzen, aktiv an der Erörterung und Entscheidung aller Fragen der Parteilinie und Parteientwicklung teilzunehmen, sondern er degradiert die Parteimassen zu Befehlsempfängern der Führung." (Weg der Partei 1-2/92, S. 81)
Eine Quelle derartiger revisionistischer Verhältnisse in einer Partei sowie im Verhältnis einer Partei zu parteilosen Menschen ist die Arbeitsteilung von Leitenden und Ausführenden innerhalb der kapitalistischen (und bis zu einem gewissen Grade auch sozialistischen) Gesellschaft. Diese Arbeitsteilung muß sich in der Partei bis zu einem gewissen Grade widerspiegeln, denn die Partei kann keine Insel innerhalb der Gesellschaft sein, die sich von den Verhältnissen der Gesellschaft kraft ihres Willens vollständig emanzipiert hat. Zugleich aber muß die Partei in ihren Reihen einer solchen Arbeitsteilung und ihren Auswirkungen bewußt entgegenwirken, denn sonst büßt sie ihren kommunistischen Keim ein. Derartige Zusammenhänge waren seinerzeit, als Ernst Aust das Sektierertum bekämpfte, theoretisch nicht hinreichend geklärt. Dennoch erkannte Genosse Ernst aufgrund seines ausgeprägten Klassen- und Parteistandpunkts die tödliche Gefahr, die vom Sektierertum ausging, und führte den Kampf entschieden. Notwendige Bedingung für den Sieg über das "linke" Sektierertum war auch, daß die Partei 1978 in der Lage war, mit den sogenannten Mao-tse-tung-Ideen abzurechnen, den Einfluß des Maoismus zurückzuweisen.

Der Kampf der KPD gegen rechten Opportunismus und Trotzkismus

Die Zurückweisung des ultralinken Sektierertums ermöglichte es, daß die Partei bei ihrer Verankerung in der Arbeiterklasse einige nicht unbedeutende Erfolge erzielte. Dies drückte sich insbesondere in der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit aus, nicht zuletzt auch in den Erfolgen der von der Gewerkschaftsführung unabhängigen Listen bei Betriebsratswahlen, die von der KPD initiiert waren.

Aus unserer heutigen Sicht gab es hierbei immer noch starke sektiererische Mängel und Fehler. So wurde entgegen anderslautenden Bekundungen die Arbeit innerhalb der DGB-Gewerkschaften vernachlässigt. Es war und ist notwendig, daß die Kommunistische Partei ihren Aktionsradius nicht durch den von reformistischen Gewerkschaftsführern diktierten Gewerkschaftslegalismus einengen läßt, doch die eigenständige Mobilisierung und Organisierung darf der Arbeit in den von den Reformisten beherrschten Gewerkschaften nicht entgegengesetzt werden, kann diese Arbeit nicht ersetzen. Ferner gab es für den Versuch, eine Organisation namens "Revolutionäre Gewerkschaftsopposition" aufzubauen, keine objektiven Voraussetzungen.

Überdies wurde für die Mitgliedschaft in der RGO im Grunde genommen eine marxistisch-leninistische Einstellung vorausgesetzt. Auch in denjenigen Betrieben, in denen fast die Hälfte der Belegschaft bei Betriebsratswahlen die RGO-Listen wählte, waren so gut wie keine parteilosen ArbeiterInnen bereit, Mitglied in der RGO zu werden. Wenn in manchen Betrieben große Teile der Belegschaften die RGO-Listen wählten, dann trotz dieser Mängel und vor allem deshalb, weil sie die sozialdemokratischen Betriebsratsfürsten, die sie Jahr für Jahr verraten hatten, auf keinen Fall mehr wollten. Trotz aller Mängel sind die Erfolge dieser Periode und insbesondere auch der Arbeit der KPD in Betrieb und Gewerkschaft jedoch unbestreitbar.

Doch aufgrund solcher Erfolge gerieten Genossen, die an exponierter Stelle Betriebsarbeit leisteten, verstärkt unter den Beschuß der betrieblichen Sozialdemokratie und der Betriebsleitung. Dieser Druck war deshalb besonders stark, weil diese Genossen aufgrund der "linken" Fehler allzu weit nach vorne geprescht waren, weil Rückendeckung durch die KollegInnen zwar vorhanden war, aber nicht in dem Maße, wie es bei einer richtigen Taktik der Fall gewesen wäre. So kam es, daß "linke" Fehler sich in rechte verwandelten, daß ein Großteil dieser Genossen zunehmend dazu neigte, ihre Politik der betrieblichen Sozialdemokratie anzupassen, nach einem Arrangement mit dieser zu suchen. Derartige Neigungen können aufgefangen werden, wenn die Partei es versteht, solchen GenossInnen zu helfen, dem Druck standzuhalten.

Die von Horst Dieter Koch geleitete Betriebs- und Gewerkschaftsabteilung beim ZK der KPD tat jedoch das Gegenteil: Sie bestärkte das Zurückweichen solcher Genossen, gab es als Fortsetzung des Kampfes gegen das Sektierertum aus und verdichtete es zu einer rechtsopportunistischen, letztlich sozialdemokratischen Linie, die nach und nach in der Partei durchgesetzt wurde. Diese Linie wurde zur Linie des ZK, an dessen Spitze nun nicht mehr Ernst Aust, sondern Horst Dieter Koch stand. Ernst Aust gehörte dem ZK zwar noch an, bekämpfte das Treiben der Leute um Koch aber erst sehr spät, als es fast schon zu spät war. Was waren die Gründe dafür?

Ernst Aust erwartete das Heranreifen einer revolutionären Krise in den 80er Jahren und befürchtete, daß die Partei aufgrund ihrer Schwäche nicht imstande sein würde, eine solche Krise entscheidend zu nutzen. Er hielt es daher für absolut notwendig, daß die Partei außerordentlich rasch wachsen müsse. Aufgrund dieses verständlichen, aber an den objektiven Umständen vorbeigehenden Wunsches erkannte er den opportunistischen, sozialdemokratischen Charakter der Orientierung der Koch und Konsorten erst sehr spät, hielt er deren Bemühungen lange für Taktiken, die erforderlich wären, um die Partei für viele Kräfte zu öffnen. Er selbst trat dafür ein, daß die KPD bei Bundestagswahlen zur Wahl der SPD aufrufen sollte. Dies tat er nicht etwa, weil er sich an die SPD anpassen wollte, sondern weil er den schlechten Zustand der Arbeiterbewegung, das Dominieren des Opportunismus und das Ausmaß dessen zersetzender Wirkung nicht richtig sah, weil er die Illusion hegte, eine solche Taktik könne dazu beitragen, relativ rasch zu einem revolutionären Aufschwung überzuleiten. Das aber lag völlig neben der Sache.

Stalin hatte sich zu den verschiedenen Etappen der Parteientwicklung geäußert und dabei die erste Etappe wie folgt charakterisiert: "Die Vorhut des Proletariats für den Kommunismus gewinnen (das heißt Kader bilden, eine kommunistische Partei schaffen, Programm und Grundlagen der Taktik ausarbeiten). Propaganda als Grundform der Arbeit." (SW 5, S. 69) "In dieser Periode ist die Partei als treibende Kraft schwach." (ebenda, S. 87) "Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und der Sorgen der Partei steht in dieser Periode die Partei selbst, ihre Existenz, ihre Erhaltung. Die Partei wird in dieser Zeit als eine gewisse sich selbst genügende Kraft betrachtet." (ebenda, S. 88) Derartige Stalin-Zitate waren von den ultralinken Sektierern verabsolutiert worden, um die Partei von der Beteiligung am Klassenkampf zu lösen und sie zu einer reinen Propaganda-Partei zu machen, die der Arbeiterklasse "den richtigen Weg" verkünden sollte, und zudem noch in möglichst abstrakter Form.

Einer solchen Verabsolutierung mußte unbedingt entgegengetreten werden. Unabhängig davon aber sind Stalins Feststellungen richtig. Die Partei muß zwar auch in ihrer ersten Entwicklungsetappe am Klassenkampf teilnehmen, sie muß überall da, wo sie dazu in der Lage ist, bestrebt sein, in diesem Kampf eine führende Rolle zu spielen. Doch hängt das Ausmaß, in dem letzteres möglich ist, nicht in erster Linie von der Partei selbst ab, sondern von den objektiven Umständen. Die objektiv gegebene Schwäche der Partei verhindert in dieser Periode meistens, daß die Partei eine führende Rolle in den realen Kämpfen spielen kann. Diese Schwäche kann nur überwunden werden, indem nach und nach die Bedingungen für eine höhere Etappe der Parteientwicklung heranreifen, und dies hängt einerseits von der Entwicklung der Klassenkräfte und andererseits von der inneren Logik der Parteientwicklung ab. In Westdeutschland hatten wir es mit Jahrzehnten der Vorherrschaft der Arbeiteraristokratie und des Opportunismus in der Arbeiterbewegung zu tun, waren die revolutionären Kräfte zu einer verschwindenden Minderheit herabgedrückt. Dies beruhte einerseits auf Besonderheiten der ökonomischen Entwicklung des westdeutschen Imperialismus, andererseits auf dem abschreckenden Beispiel des vermeintlichen Sozialismus in der DDR. In einer solch schwierigen Situation ist die Aufgabe der bloßen Verteidigung der Existenz einer - wenn auch kleinen - marxistisch-leninistischen Partei schon schwierig genug, wirkt der Druck des Imperialismus und Opportunismus in Richtung auf vollständige Zerstörung einer solchen Partei und kann diesem Druck nur durch entschlossene Anstrengungen auf Grundlage größtmöglicher theoretischer Klarheit widerstanden werden.

Von existenzieller Bedeutung ist gerade in einer solchen Situation ein gründliches Studium des wissenschaftlichen Sozialismus, das weder als Vermittlung von totem Wissen aufgefaßt werden darf, wie es die Sektierer getan hatten, noch als oberflächliche "praktische Ratschläge", wodurch die Rechtsopportunisten die marxistisch-leninistische Theorie ersetzen wollten. Vielmehr müssen in der Schulung möglichst allen GenossInnen die Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus vermittelt werden, wobei besonderes Augenmerk auf Weltanschauung und Methode zu legen ist, die sie zu eigenständigem Studium und revolutionärem Handeln befähigt. Doch die Rechtsopportunisten in der Parteiführung liquidierten die Schulung völlig; dies war eines der Manöver, mit denen sie die Partei für den liquidatorischen Angriff sturmreif machten. Ferner ist es gerade in einer solchen Situation von existentieller Bedeutung, daß die Partei einen scharfen und unversöhnlichen Kampf gegen möglichst alle Schattierungen des Opportunismus führt, doch die Rechtsopportunisten schwächten diesen Kampf immer mehr ab, spekulierten öffentlich über Vereinigungsprojekte mit dieser oder jener opportunistischen Strömung usw.

Entgegen der Annahme von Ernst Aust reifte in den 80er Jahren keine revolutionäre Krise heran, doch selbst wenn dies der Fall gewesen wäre, hätte die Partei nicht allein kraft ihres Willens in kurzer Zeit so erstarken können, daß sie die Revolution zum Sieg hätte führen können. Will man dies um jeden Preis mit der Brechstange erreichen, so führt dies nicht zu einem Erstarken der Partei, sondern zu einer Aufweichung von Politik und Weltanschauung der Partei - im Bestreben nämlich, die Reihen der Partei für möglichst viele Kräfte zu öffnen.
Unter dem Vorwand des Kampfes gegen "linke" Fehler im Zusammenhang mit der RGO-Politik setzten Koch und Konsorten eine radikale Veränderung der Politik bei den Betriebsratswahlen durch: Die Kandidatur von Listen, die gegenüber der Gewerkschaftsführung unabhängig waren, sollte nun generell unterbleiben.

Dies war bereits ein wesentliches Zugeständnis gegenüber der betrieblichen Sozialdemokratie. Ihm folgten weitere opportunistische Manöver in der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, aber auch in anderen Bereichen. Parteiintern wurde das Zellen-Prinzip liquidiert: Es sollte also möglich sein, Mitglied der Partei zu werden, ohne daß eine Grundorganisation kontrollierte, ob man wirklich für die Partei arbeitet. Schließlich wurde geleugnet, daß der Sozialismus nur aufgebaut und entwickelt werden kann, wenn die Arbeiterklasse mittels ihrer kommunistischen Partei die führende Rolle ausübt. Als innerhalb der KPD Kräfte auftraten, die offen für die Auflösung der Partei warben, lehnte das ZK es ab, diese Kräfte auszuschließen. Das Koch-ZK selbst trat zwar nicht für formale Auflösung ein, wohl aber für die Vereinigung mit der trotzkistischen GIM, die letztlich auch vollzogen wurde. Die Frage einer solchen Vereinigung konnte aber überhaupt nur auf der Grundlage aufgeworfen werden, daß die Partei ihren marxistisch-leninistischen Charakter eingebüßt hatte und auf links-sozialdemokratische Positionen übergegangen war.

Da die Partei durch die jahrelangen Bestrebungen der Opportunisten im ZK bereits in hohem Maße geschwächt und ideologisch zersetzt war, waren es nur sehr wenige, die für die Fortführung der Partei auf marxistisch-leninistischen Positionen kämpften. Ernst Aust schloß sich den Kräften an, die den unversöhnlichen Bruch mit dem Koch-ZK vollzogen und - zunächst innerhalb der bestehenden, von den Koch-Leuten kontrollierten Partei - für die Formierung der Marxisten-Leninisten eintraten. Sobald er sich dazu entschlossen hatte, führte er den Kampf mit allen Kräften. Noch wenige Tage vor seinem Tode trat er z.B. auf einer Veranstaltung in Frankfurt/Main auf, die die Marxisten-Leninisten in der KPD zum Kampf gegen das opportunistische ZK organisiert hatten. Ernst bezog dort klar Stellung, entlarvte den Verrat des ZK und die Lügen des anwesenden Vertreters des Politbüros. Damit zeigte er vielen Genossen, daß die Existenz der Partei in dieser Situation nur im schonungslosen Kampf gegen das opportunistische ZK verteidigt werden konnte. Diese Veranstaltung und das Auftreten des Genossen Ernst hatten ganz entscheidenden Anteil daran, daß kurz darauf die opportunistische Landesleitung in Hessen abgewählt und durch eine marxistisch-leninistische Landesleitung ersetzt wurde, was für die Marxisten-Leninisten in der KPD eine große Ermutigung in ihrem Kampf war. Leider verstarb Genosse Ernst Aust inmitten dieses Kampfes, am 25. August 1985.

Knapp einen Monat danach führten die KommunistInnen in der KPD in Frankfurt am Main eine Konferenz durch, auf der sie den organisatorischen Bruch mit dem Koch-ZK und dessen Anhängern beschlossen, noch bevor diese Opportunisten die Vereinigung mit der trotzkistischen GIM vollzogen hatten. Die KPD existierte weiter, wenn auch zahlenmäßig stark geschwächt. In der Folgezeit konnte sie langsam wieder wachsen, diese und jene Lücken schließen, diese und jene Mängel korrigieren. Der Zusammenbruch der revisionistischen Länder und des ehemals sozialistischen Albanien führte dazu, daß die revisionistischen und opportunistischen Organisation in eine tiefe Krise gerieten, die KPD hingegen konnte sich auch in dieser Situation weiter stärken, zwar nicht schlagartig, aber stetig. Im Gegensatz zu den Revisionisten und Opportunisten verstand sie, daß diese Entwicklungen nicht mit Phrasen "erklärt" werden können, sondern daß eine tiefgehende wissenschaftliche Analyse der Erfahrungen des Sozialismus und seiner Entartung erforderlich ist. Sie erzielte dabei gewisse Resultate und arbeitet weiter an den betreffenden Analysen.

 

 
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