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Probleme der KPD nach der Neugründung
Der Kampf der KPD gegen den "linken" Opportunismus
Dennoch war während des größten Teils der 70er Jahre
der Einfluß des ultralinken Sektierertums in der Partei sehr stark,
was die Verankerung in der Arbeiterklasse hemmte. In der Führung
der Partei ersetzten Leute wie Gernot Schubert eine konkrete, an den Interessen
der ArbeiterInnen und kleinen Angestellten orientierte Politik durch wortradikales
"Verteidigen von Prinzipien". Während die Arbeit von Parteimitgliedern
in den Gewerkschaften weiterhin vielfach sabotiert wurde, wurde auf Demonstrationen
die sicherlich ungeheuer vorantreibende Losung "Nur der Griff der
Massen zum Gewehr schafft den Sozialismus her" gerufen.
Leisteten Genossinnen und Genossen im Betrieb mühsame und unscheinbare
Kleinarbeit, so gerieten sie leicht in den Ruf, ReformistInnen zu sein:
Was taten sie eigentlich "für die Revolution"? Wurde ein
Flugblatt geschrieben, so mußte der Autor bzw. die Autorin sehr
darauf achten, daß auch ja alle "Grundsätze" der
Partei darin "verteidigt" wurden: Fehlte etwa die ausdrückliche
"Abgrenzung zum Revisionismus" oder die "Verteidigung der
gewaltsamen Revolution und der Diktatur des Proletariats", so geriet
man leicht in den Ruf, RevisionistIn zu sein. Begünstigt wurden derartige
Praktiken durch die maoistische Theorie vom angeblich ständigen und
gesetzmäßigen "Kampf zweier Linien in der Partei".
In jeder Parteiorganisation vom ZK bis zur Zelle suchten die Sektierer
gemäß dieser "Theorie", wer denn nun Vertreter der
"bürgerlichen Linie" war.
Ernst Aust war klar, daß eine solche Ausrichtung die Partei vom
Klassenkampf und von der Arbeiterklasse entfernen mußte. Er reiste
von Ort zu Ort und versuchte, die Genossinnen und Genossen für eine
andere Ausrichtung, für die Beteiligung am Klassenkampf, zu gewinnen.
Doch ein großer Teil des zentralen Apparats arbeitete gegen seine
Bemühungen. Schließlich gelang es, führende Vertreter
des ultralinken Sektierertums aus der Partei zu entfernen. Wichtig für
die weitere Parteientwicklung war die Rede Propaganda- oder Kampfpartei?
- Kampf dem ultralinken Sektierertum vom Juli 1978 (abgedruckt im Weg
der Partei 1/79), die Ernst Aust auf dem Höhepunkt des Kampfes gegen
das Sektierertum hielt.
Er deckte in dieser Rede auf, daß die ultralinken Sektierer ebenso
wie die rechten Opportunisten letztlich ihren Frieden mit dem Klassenfeind
gemacht hatten, nur in anderer Form: Während erstere die Prinzipien
offen über Bord warfen, verteidigten letztere sie scheinbar besonders
radikal, verhinderten tatsächlich aber ihre Anwendung, verhinderten,
daß auf Grundlage dieser Prinzipien wirkliche, konkrete Politik
gemacht wurde.
Diejenigen, die sich damit nicht zufriedengaben, wurden ganz im Stile
der Revisionisten als "bürgerliches Element" oder gar als
"Agent" diffamiert. In seiner Rede sagte Genosse Ernst dazu:
"Der Schaden ist gar nicht abzusehen, wieviele Genossen die Partei
durch diese Politik der harten Schläge verloren hat. Wieviele Genossen
ungerecht behandelt oder gar als Agenten abgestempelt wurden. (...) Ihr
müßt euch vorstellen, wenn ein Genosse, der vielleicht einen
Fehler gemacht hat, der aber ja nicht umsonst in die Partei eingetreten
ist, der Opfer gebracht hat, gekämpft hat, nun plötzlich erfährt,
daß man ihn für einen Agenten hält, mit dem seine Freunde
nicht mehr sprechen.(...) Ist es nicht klar, daß wir aufhören
würden, proletarische Revolutionäre zu sein, wenn wir in unserer
Mitte Bürokratismus, Cliquenwirtschaft und Vetternwirtschaft, Herrschsucht,
Karrierismus, Polizeimethoden usw. nicht schonungslos aufdeckten?"
(S. 131) Ohne den Kampf, den Ernst Aust damals führte, wäre
die KPD unzweifelhaft zu einer revisionistischen Partei vom Schlage der
SED entartet.
Zu den Methoden der "linken" Revisionisten, mit denen sie die
Partei von der Arbeiterklasse trennen wollten, gehörte auch die schematische,
formelhafte Auslegung der führenden Rolle der Partei. Ernst Aust
sagte hierzu: "Ein weiterer sektiererischer Fehler kommt in der falschen,
kleinbürgerlichen Vorstellung von der führenden Rolle der Partei
zum Ausdruck. Man geht nicht davon aus, daß die politisch-ideologische
Führung einer Bewegung oder einer Organisation bei der Partei liegen
muß, sondern davon, daß die Partei nach außen hin auch
ja mit Namen und Zeichen in Erscheinung tritt, im Vordergrund steht. Eine
solche formale, oberflächliche, von kleinbürgerlichem Geltungsbedürfnis
geprägte Vorstellung von der führenden Rolle der Partei untergräbt
in Wirklichkeit die politisch-ideologische Führung durch die Partei,
weil sie die Partei immer wieder den parteilosen Massen gegenüberstellt,
statt sich an ihre Spitze zu stellen, weil sie noch bestehende Widersprüche
parteiloser Menschen zur Partei in den Vordergrund rückt, anstatt
diese Menschen im gemeinsamen Kampf durch die richtige Führung dieses
Kampfes zu überzeugen, sie mit Umsicht, Takt und Fingerspitzengefühl
an die Partei heranzuführen." (S. 112)
Dies betrifft unter anderem die Stellung der Partei zu Massenorganisationen
wie auch die Arbeit jeder Genossin und jedes Genossen im Kreise ihrer
ArbeitskollegInnen, FreundInnen, Bekannten, NachbarInnen. Da, wo die Kommunistin,
der Kommunist lebt und arbeitet, da sind die besten Voraussetzungen, andere
Menschen zu beeinflussen. Eine zeitweilige Konzentration der Kräfte
der Partei für bestimmte Ziele hat ihren Platz, doch es ist verhängnisvoll,
wenn ein Stil des Hetzens von Kampagne zu Kampagne es verhindert, daß
die KommunistInnen in ihrem Umfeld als KommunistInnen wirken. Genau das
aber war die Politik der "linken" Sektierer. Sie verbreiteten
sogar die Ansicht, die Arbeit der KommunistInnen im persönlichen
Umfeld sei "eigentlich keine Parteiarbeit".
Genosse Ernst führte ein Beispiel dafür an, wozu das führte:
"Eine Zelle will die Empörung der Menschen über einen furchtbar
dreckigen und überhaupt unmöglichen Kinderspielplatz schüren.
Was tut sie? Nach altbekannter Manier wird ein Artikel für eine Stadtteilzeitung
der Partei geschrieben und in der Umgebung des Spielplatzes in die Briefkästen
gesteckt. Und damit Ende! Dabei wohnen vier Genossen bei diesem Spielplatz,
haben Kinder und auch schon Kontakt zu Nachbarn mit Kindern. Anstatt sich
mit einem Brief, einem Rundschreiben an die Nachbarn zu wenden, um sie
von Nachbar zu Nachbar zu gemeinsamer Initiative, zu gemeinsamer Aktion,
zur Veränderung des Spielplatzes aufzurufen, verpufft die ganze Sache
im Wind (...)" (S. 112)
Entsprechendes gilt für die Arbeit im Betrieb. Natürlich haben
kommunistische Flugblätter und Betriebszeitungen ihren Platz, doch
von größtem Wert sind die Aktionen von KollegInnen selbst,
Aktionen gegen den Klassengegner, für unmittelbare eigene Interessen,
und sei es für das kleinste, geringste Ziel. Hier war es häufig
so, daß Genossinnen und Genossen schon zusammen mit ihren KollegInnen
kämpfen wollten, daß aber die Ziele, für die die KollegInnen
zu kämpfen bereit waren, den Parteimitgliedern zu gering erschienen.
Insoweit war ein gewisses Sektierertum Ausdruck von Ungeduld, eine Kinderkrankheit
der Partei. Doch diese Art von Sektierertum war nicht das schlimmste.
Weit schlimmer war dasjenige Sektierertum, das in systematischer Weise
von der Parteiführung selbst ausging - gegen den Widerstand von Ernst
Aust. Und der Hauptgrund hierfür lag nicht - wie Genosse Ernst annahm
- "in der revisionistischen Org-Struktur der Zentrale" (S. 129),
wenngleich diese Org-Struktur auch ihre Rolle gespielt haben wird.
Der Hauptgrund lag in einem Wesensmerkmal des Revisionismus, welches
wir erst später, nach eingehender Analyse des Entartungsprozesses
sozialistischer Länder und kommunistischer Parteien, genauer auf
den Punkt bringen konnten: "Ein Wesensmerkmal des Revisionismus,
gleich welcher Prägung, ist ein funktionales Verhalten zu den werktätigen
Massen, eine Haltung der Fremdbestimmung über sie, die Einstellung,
sie als Manövriermasse zu betrachten. Sie sollen nicht anhand ihrer
eigenen Erfahrungen durch die Partei zu Selbsttätigkeit im Sinne
des gesellschaftlichen Fortschritts, im Sinne der Vergesellschaftung,
(das bezieht sich unmittelbar auf den Sozialismus und gilt in Bezug auf
den Kapitalismus entsprechend, RM) erzogen werden, sondern sie sollen
´die richtigen Losungen der Partei aufgreifen´, andernfalls
sind sie reaktionär und müssen eben noch entsprechende Erfahrungen
machen, um zu sehen, daß ´die Partei schon recht hat´.
Entsprechendes gilt innerhalb der Partei: Der Revisionismus ist nicht
bestrebt, möglichst alle Parteimitglieder in die Lage zu versetzen,
aktiv an der Erörterung und Entscheidung aller Fragen der Parteilinie
und Parteientwicklung teilzunehmen, sondern er degradiert die Parteimassen
zu Befehlsempfängern der Führung." (Weg der Partei 1-2/92,
S. 81)
Eine Quelle derartiger revisionistischer Verhältnisse in einer Partei
sowie im Verhältnis einer Partei zu parteilosen Menschen ist die
Arbeitsteilung von Leitenden und Ausführenden innerhalb der kapitalistischen
(und bis zu einem gewissen Grade auch sozialistischen) Gesellschaft. Diese
Arbeitsteilung muß sich in der Partei bis zu einem gewissen Grade
widerspiegeln, denn die Partei kann keine Insel innerhalb der Gesellschaft
sein, die sich von den Verhältnissen der Gesellschaft kraft ihres
Willens vollständig emanzipiert hat. Zugleich aber muß die
Partei in ihren Reihen einer solchen Arbeitsteilung und ihren Auswirkungen
bewußt entgegenwirken, denn sonst büßt sie ihren kommunistischen
Keim ein. Derartige Zusammenhänge waren seinerzeit, als Ernst Aust
das Sektierertum bekämpfte, theoretisch nicht hinreichend geklärt.
Dennoch erkannte Genosse Ernst aufgrund seines ausgeprägten Klassen-
und Parteistandpunkts die tödliche Gefahr, die vom Sektierertum ausging,
und führte den Kampf entschieden. Notwendige Bedingung für den
Sieg über das "linke" Sektierertum war auch, daß
die Partei 1978 in der Lage war, mit den sogenannten Mao-tse-tung-Ideen
abzurechnen, den Einfluß des Maoismus zurückzuweisen.
Der Kampf der KPD gegen rechten Opportunismus und Trotzkismus
Die Zurückweisung des ultralinken Sektierertums ermöglichte
es, daß die Partei bei ihrer Verankerung in der Arbeiterklasse einige
nicht unbedeutende Erfolge erzielte. Dies drückte sich insbesondere
in der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit aus, nicht zuletzt auch in den
Erfolgen der von der Gewerkschaftsführung unabhängigen Listen
bei Betriebsratswahlen, die von der KPD initiiert waren.
Aus unserer heutigen Sicht gab es hierbei immer noch starke sektiererische
Mängel und Fehler. So wurde entgegen anderslautenden Bekundungen
die Arbeit innerhalb der DGB-Gewerkschaften vernachlässigt. Es war
und ist notwendig, daß die Kommunistische Partei ihren Aktionsradius
nicht durch den von reformistischen Gewerkschaftsführern diktierten
Gewerkschaftslegalismus einengen läßt, doch die eigenständige
Mobilisierung und Organisierung darf der Arbeit in den von den Reformisten
beherrschten Gewerkschaften nicht entgegengesetzt werden, kann diese Arbeit
nicht ersetzen. Ferner gab es für den Versuch, eine Organisation
namens "Revolutionäre Gewerkschaftsopposition" aufzubauen,
keine objektiven Voraussetzungen.
Überdies wurde für die Mitgliedschaft in der RGO im Grunde
genommen eine marxistisch-leninistische Einstellung vorausgesetzt. Auch
in denjenigen Betrieben, in denen fast die Hälfte der Belegschaft
bei Betriebsratswahlen die RGO-Listen wählte, waren so gut wie keine
parteilosen ArbeiterInnen bereit, Mitglied in der RGO zu werden. Wenn
in manchen Betrieben große Teile der Belegschaften die RGO-Listen
wählten, dann trotz dieser Mängel und vor allem deshalb, weil
sie die sozialdemokratischen Betriebsratsfürsten, die sie Jahr für
Jahr verraten hatten, auf keinen Fall mehr wollten. Trotz aller Mängel
sind die Erfolge dieser Periode und insbesondere auch der Arbeit der KPD
in Betrieb und Gewerkschaft jedoch unbestreitbar.
Doch aufgrund solcher Erfolge gerieten Genossen, die an exponierter Stelle
Betriebsarbeit leisteten, verstärkt unter den Beschuß der betrieblichen
Sozialdemokratie und der Betriebsleitung. Dieser Druck war deshalb besonders
stark, weil diese Genossen aufgrund der "linken" Fehler allzu
weit nach vorne geprescht waren, weil Rückendeckung durch die KollegInnen
zwar vorhanden war, aber nicht in dem Maße, wie es bei einer richtigen
Taktik der Fall gewesen wäre. So kam es, daß "linke"
Fehler sich in rechte verwandelten, daß ein Großteil dieser
Genossen zunehmend dazu neigte, ihre Politik der betrieblichen Sozialdemokratie
anzupassen, nach einem Arrangement mit dieser zu suchen. Derartige Neigungen
können aufgefangen werden, wenn die Partei es versteht, solchen GenossInnen
zu helfen, dem Druck standzuhalten.
Die von Horst Dieter Koch geleitete Betriebs- und Gewerkschaftsabteilung
beim ZK der KPD tat jedoch das Gegenteil: Sie bestärkte das Zurückweichen
solcher Genossen, gab es als Fortsetzung des Kampfes gegen das Sektierertum
aus und verdichtete es zu einer rechtsopportunistischen, letztlich sozialdemokratischen
Linie, die nach und nach in der Partei durchgesetzt wurde. Diese Linie
wurde zur Linie des ZK, an dessen Spitze nun nicht mehr Ernst Aust, sondern
Horst Dieter Koch stand. Ernst Aust gehörte dem ZK zwar noch an,
bekämpfte das Treiben der Leute um Koch aber erst sehr spät,
als es fast schon zu spät war. Was waren die Gründe dafür?
Ernst Aust erwartete das Heranreifen einer revolutionären Krise
in den 80er Jahren und befürchtete, daß die Partei aufgrund
ihrer Schwäche nicht imstande sein würde, eine solche Krise
entscheidend zu nutzen. Er hielt es daher für absolut notwendig,
daß die Partei außerordentlich rasch wachsen müsse. Aufgrund
dieses verständlichen, aber an den objektiven Umständen vorbeigehenden
Wunsches erkannte er den opportunistischen, sozialdemokratischen Charakter
der Orientierung der Koch und Konsorten erst sehr spät, hielt er
deren Bemühungen lange für Taktiken, die erforderlich wären,
um die Partei für viele Kräfte zu öffnen. Er selbst trat
dafür ein, daß die KPD bei Bundestagswahlen zur Wahl der SPD
aufrufen sollte. Dies tat er nicht etwa, weil er sich an die SPD anpassen
wollte, sondern weil er den schlechten Zustand der Arbeiterbewegung, das
Dominieren des Opportunismus und das Ausmaß dessen zersetzender
Wirkung nicht richtig sah, weil er die Illusion hegte, eine solche Taktik
könne dazu beitragen, relativ rasch zu einem revolutionären
Aufschwung überzuleiten. Das aber lag völlig neben der Sache.
Stalin hatte sich zu den verschiedenen Etappen der Parteientwicklung
geäußert und dabei die erste Etappe wie folgt charakterisiert:
"Die Vorhut des Proletariats für den Kommunismus gewinnen (das
heißt Kader bilden, eine kommunistische Partei schaffen, Programm
und Grundlagen der Taktik ausarbeiten). Propaganda als Grundform der Arbeit."
(SW 5, S. 69) "In dieser Periode ist die Partei als treibende Kraft
schwach." (ebenda, S. 87) "Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit
und der Sorgen der Partei steht in dieser Periode die Partei selbst, ihre
Existenz, ihre Erhaltung. Die Partei wird in dieser Zeit als eine gewisse
sich selbst genügende Kraft betrachtet." (ebenda, S. 88) Derartige
Stalin-Zitate waren von den ultralinken Sektierern verabsolutiert worden,
um die Partei von der Beteiligung am Klassenkampf zu lösen und sie
zu einer reinen Propaganda-Partei zu machen, die der Arbeiterklasse "den
richtigen Weg" verkünden sollte, und zudem noch in möglichst
abstrakter Form.
Einer solchen Verabsolutierung mußte unbedingt entgegengetreten
werden. Unabhängig davon aber sind Stalins Feststellungen richtig.
Die Partei muß zwar auch in ihrer ersten Entwicklungsetappe am Klassenkampf
teilnehmen, sie muß überall da, wo sie dazu in der Lage ist,
bestrebt sein, in diesem Kampf eine führende Rolle zu spielen. Doch
hängt das Ausmaß, in dem letzteres möglich ist, nicht
in erster Linie von der Partei selbst ab, sondern von den objektiven Umständen.
Die objektiv gegebene Schwäche der Partei verhindert in dieser Periode
meistens, daß die Partei eine führende Rolle in den realen
Kämpfen spielen kann. Diese Schwäche kann nur überwunden
werden, indem nach und nach die Bedingungen für eine höhere
Etappe der Parteientwicklung heranreifen, und dies hängt einerseits
von der Entwicklung der Klassenkräfte und andererseits von der inneren
Logik der Parteientwicklung ab. In Westdeutschland hatten wir es mit Jahrzehnten
der Vorherrschaft der Arbeiteraristokratie und des Opportunismus in der
Arbeiterbewegung zu tun, waren die revolutionären Kräfte zu
einer verschwindenden Minderheit herabgedrückt. Dies beruhte einerseits
auf Besonderheiten der ökonomischen Entwicklung des westdeutschen
Imperialismus, andererseits auf dem abschreckenden Beispiel des vermeintlichen
Sozialismus in der DDR. In einer solch schwierigen Situation ist die Aufgabe
der bloßen Verteidigung der Existenz einer - wenn auch kleinen -
marxistisch-leninistischen Partei schon schwierig genug, wirkt der Druck
des Imperialismus und Opportunismus in Richtung auf vollständige
Zerstörung einer solchen Partei und kann diesem Druck nur durch entschlossene
Anstrengungen auf Grundlage größtmöglicher theoretischer
Klarheit widerstanden werden.
Von existenzieller Bedeutung ist gerade in einer solchen Situation ein
gründliches Studium des wissenschaftlichen Sozialismus, das weder
als Vermittlung von totem Wissen aufgefaßt werden darf, wie es die
Sektierer getan hatten, noch als oberflächliche "praktische
Ratschläge", wodurch die Rechtsopportunisten die marxistisch-leninistische
Theorie ersetzen wollten. Vielmehr müssen in der Schulung möglichst
allen GenossInnen die Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus vermittelt
werden, wobei besonderes Augenmerk auf Weltanschauung und Methode zu legen
ist, die sie zu eigenständigem Studium und revolutionärem Handeln
befähigt. Doch die Rechtsopportunisten in der Parteiführung
liquidierten die Schulung völlig; dies war eines der Manöver,
mit denen sie die Partei für den liquidatorischen Angriff sturmreif
machten. Ferner ist es gerade in einer solchen Situation von existentieller
Bedeutung, daß die Partei einen scharfen und unversöhnlichen
Kampf gegen möglichst alle Schattierungen des Opportunismus führt,
doch die Rechtsopportunisten schwächten diesen Kampf immer mehr ab,
spekulierten öffentlich über Vereinigungsprojekte mit dieser
oder jener opportunistischen Strömung usw.
Entgegen der Annahme von Ernst Aust reifte in den 80er Jahren keine revolutionäre
Krise heran, doch selbst wenn dies der Fall gewesen wäre, hätte
die Partei nicht allein kraft ihres Willens in kurzer Zeit so erstarken
können, daß sie die Revolution zum Sieg hätte führen
können. Will man dies um jeden Preis mit der Brechstange erreichen,
so führt dies nicht zu einem Erstarken der Partei, sondern zu einer
Aufweichung von Politik und Weltanschauung der Partei - im Bestreben nämlich,
die Reihen der Partei für möglichst viele Kräfte zu öffnen.
Unter dem Vorwand des Kampfes gegen "linke" Fehler im Zusammenhang
mit der RGO-Politik setzten Koch und Konsorten eine radikale Veränderung
der Politik bei den Betriebsratswahlen durch: Die Kandidatur von Listen,
die gegenüber der Gewerkschaftsführung unabhängig waren,
sollte nun generell unterbleiben.
Dies war bereits ein wesentliches Zugeständnis gegenüber der
betrieblichen Sozialdemokratie. Ihm folgten weitere opportunistische Manöver
in der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, aber auch in anderen Bereichen.
Parteiintern wurde das Zellen-Prinzip liquidiert: Es sollte also möglich
sein, Mitglied der Partei zu werden, ohne daß eine Grundorganisation
kontrollierte, ob man wirklich für die Partei arbeitet. Schließlich
wurde geleugnet, daß der Sozialismus nur aufgebaut und entwickelt
werden kann, wenn die Arbeiterklasse mittels ihrer kommunistischen Partei
die führende Rolle ausübt. Als innerhalb der KPD Kräfte
auftraten, die offen für die Auflösung der Partei warben, lehnte
das ZK es ab, diese Kräfte auszuschließen. Das Koch-ZK selbst
trat zwar nicht für formale Auflösung ein, wohl aber für
die Vereinigung mit der trotzkistischen GIM, die letztlich auch vollzogen
wurde. Die Frage einer solchen Vereinigung konnte aber überhaupt
nur auf der Grundlage aufgeworfen werden, daß die Partei ihren marxistisch-leninistischen
Charakter eingebüßt hatte und auf links-sozialdemokratische
Positionen übergegangen war.
Da die Partei durch die jahrelangen Bestrebungen der Opportunisten im
ZK bereits in hohem Maße geschwächt und ideologisch zersetzt
war, waren es nur sehr wenige, die für die Fortführung der Partei
auf marxistisch-leninistischen Positionen kämpften. Ernst Aust schloß
sich den Kräften an, die den unversöhnlichen Bruch mit dem Koch-ZK
vollzogen und - zunächst innerhalb der bestehenden, von den Koch-Leuten
kontrollierten Partei - für die Formierung der Marxisten-Leninisten
eintraten. Sobald er sich dazu entschlossen hatte, führte er den
Kampf mit allen Kräften. Noch wenige Tage vor seinem Tode trat er
z.B. auf einer Veranstaltung in Frankfurt/Main auf, die die Marxisten-Leninisten
in der KPD zum Kampf gegen das opportunistische ZK organisiert hatten.
Ernst bezog dort klar Stellung, entlarvte den Verrat des ZK und die Lügen
des anwesenden Vertreters des Politbüros. Damit zeigte er vielen
Genossen, daß die Existenz der Partei in dieser Situation nur im
schonungslosen Kampf gegen das opportunistische ZK verteidigt werden konnte.
Diese Veranstaltung und das Auftreten des Genossen Ernst hatten ganz entscheidenden
Anteil daran, daß kurz darauf die opportunistische Landesleitung
in Hessen abgewählt und durch eine marxistisch-leninistische Landesleitung
ersetzt wurde, was für die Marxisten-Leninisten in der KPD eine große
Ermutigung in ihrem Kampf war. Leider verstarb Genosse Ernst Aust inmitten
dieses Kampfes, am 25. August 1985.
Knapp einen Monat danach führten die KommunistInnen in der KPD in
Frankfurt am Main eine Konferenz durch, auf der sie den organisatorischen
Bruch mit dem Koch-ZK und dessen Anhängern beschlossen, noch bevor
diese Opportunisten die Vereinigung mit der trotzkistischen GIM vollzogen
hatten. Die KPD existierte weiter, wenn auch zahlenmäßig stark
geschwächt. In der Folgezeit konnte sie langsam wieder wachsen, diese
und jene Lücken schließen, diese und jene Mängel korrigieren.
Der Zusammenbruch der revisionistischen Länder und des ehemals sozialistischen
Albanien führte dazu, daß die revisionistischen und opportunistischen
Organisation in eine tiefe Krise gerieten, die KPD hingegen konnte sich
auch in dieser Situation weiter stärken, zwar nicht schlagartig,
aber stetig. Im Gegensatz zu den Revisionisten und Opportunisten verstand
sie, daß diese Entwicklungen nicht mit Phrasen "erklärt"
werden können, sondern daß eine tiefgehende wissenschaftliche
Analyse der Erfahrungen des Sozialismus und seiner Entartung erforderlich
ist. Sie erzielte dabei gewisse Resultate und arbeitet weiter an den betreffenden
Analysen.
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