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Tobin Tax relativ wirkungslos
Für James Tobin ist die Devisenumsatzsteuer nur die zweitbeste Lösung.
Die erstbeste Lösung sieht er darin, einheitliche Währungsräume
zu schaffen, am besten über eine gemeinsame Währung. In einer Währungsunion
gibt es das Problem schwankender Wechselkurse nicht.
Das Interesse an festen Wechselkursen nimmt mit steigendem Kapitalexport der
imperialistischen Länder zu. Sie möchten dadurch verhindern, daß
das investierte Kapital und die damit erzielten Gewinne durch Abwertungen der
Anlagewährung beim Transfer ins Ursprungsland verringert werden. Ferner
sind auch Warenexporteure an festen Wechselkursen bzw. Währungsunionen
interessiert. Denn Abwertungen einer Währung verteuern die Importe und
verringern damit die Aufnahmefähigkeit des Weltmarkts für die Waren
der Exportländer, vor allem der USA, Deutschlands und Japans.
Der US-Imperialismus praktiziert das über die Dollarisierung d.h. die
Einführung des Dollars als Währung des Anlagelandes bzw. über
die Fixierung von Wechselkursen. Der deutsche und französische Imperialismus
praktizieren das in Europa über den Euro. Feste Wechselkurse sind eine
Form der ökonomischen Beherrschung schwächerer kapitalistischer Länder
durch
stärkere. Die ökonomische Schwäche von weniger produktiven Ländern
darf sich im Interesse des Auslandskapitals nicht in einer schwächeren
Währung ausdrücken. Tobin tritt folgerichtig auch für eine gemeinsame
Geld- und Fiskalpolitik in Währungsräumen ein d.h. für die Gemeinsame
Unterordnung des Schwächeren unter den Stärkeren. Die Währungsunion
in Europa zwingt zu einer stärkeren Kontrolle der Haushaltspolitik der
beteiligten Staaten, stärkt den Druck auf eine politische Union, die wiederum
von den stärksten Ländern des Währungsgebiets dominiert wird.
Befürworter der Tobin Tax sind also in der Regel auch Befürworter
des Euro oder der Bindung der Währung anderer Volkswirtschaften an eine
Leitwährung, entweder den Euro oder den Dollar. In Bezug auf den Euro sind
sich SPD, Grüne und PDS einig. Auf dieser Basis ist die Zustimmung zur
Logik der Tobin Tax nicht verwunderlich.
Aber auch mit festen Wechselkursen, egal wie sie gefördert wurden, ob mit
Tobin Tax oder ohne, ist Währungs- bzw. Finanzkrisen nicht beizukommen.
Die Krisen in Südostasien, Mexiko, aber auch in Argentinien brachen aus,
obwohl feste Wechselkurse gegenüber dem Dollar bestanden. Die festen Wechselkurse
wurden durch Kapitalflucht gesprengt. Die Kapitalflucht setzt immer dann ein,
wenn die Auslandskredite an Unternehmen, Banken oder Staaten nicht mehr zurückgezahlt
werden können, wenn die Renditen fallen, wenn bessere Anlagemöglichkeiten
winken oder wenn es zu Wirtschaftskrisen kommt usw.
Das Problem ist der Kapitalexport, ist die Tatsache, daß immer mehr Länder
überwiegend von der gut verzinsten Hilfe imperialistischer
Länder leben, die diese nur solange betreiben, solange sie daran verdienen.
Die imperialistischen Länder, allen voran die USA, exportieren Kapital
in alle Welt, vernachlässigen die Grundbedürfnisse der eigenen Bevölkerung
und spielen mit den Existenzbedingungen der Völker der Entwicklungsländer.
Das Grundproblem ist der Kapitalexport.
Attac spricht sich nicht gegen Kapitalexport d.h. gegen den Kern der kapitalistischen
Globalisierung aus, weil diese Vereinigung auf dem Boden des Imperialismus
steht.
Der Kapitalexport ist aber notwendiges Produkt der kapitalistischen Wirtschaft.
Diese erzeugt überschüssiges Kapital. Kapital, das im eigenen Land
nicht wenigstens zu Durchschnittsbedingungen verwertet werden kann, sucht überall
in der Welt nach Anlagen, egal ob die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung
befriedigt sind. Spekulation mit dem Kapitalüberschuß gehört
zum Wesen des Kapitals. Es ist nicht möglich, die produktive von der spekulativen
Seite des Kapitals zu trennen, wie es Attac macht. In einem strengen Sinne ist
jede Investition spekulativ, weil niemand wissen kann, ob sie sich rechnet.
Sie ist eine Investition ins Unbekannte und man hofft, daß es gut geht.
Auch die Kreditvergabe beruht auf der Hoffnung, daß es gut geht.
Während die Lafontaines gegen die Wallstreet wettern, hat die Bundesregierung,
ganz auf der Linie der EU, Pensionsfonds ermöglicht, die weltweit in Aktien
anlegen können. Mit den USA gleichzuziehen, ist das Bestreben, nicht nur
militärisch, sondern auch ökonomisch. Und dieses Bestreben entspringt
den Interessen der Verwalter des Kapitalüberschusses, den Banken und Versicherungen,
an der Ausdehnung ihrer Märkte. Anlage in Aktien aber ist von Hause aus
spekulativ. Zur Beruhigung der Massen predigen die Politiker, die das Gegenteil
begünstigen, aber gegen das amerikanische Modell.
Feste Wechselkurse verhindern also Krisen in keiner Weise. Feste Wechselkurse
bereiten nämlich unter kapitalistischen Bedingungen Währungskrisen
vor und verschärfen sie. Denn die Währungsschwankungen spiegeln die
ungleiche Stärke von Volkswirtschaften wieder, ungleiche Renditen und ihre
ungleichmäßige Entwicklung. Feste Wechselkurse oder einheitliche
Währungen sind nur sinnvoll auf der Basis gleich starker Volkswirtschaften
und langfristiger Berechenbarkeit. Die aber ist unter kapitalistischen Verhältnissen
nicht möglich. Werden Währungsschwankungen durch feste Wechselkurse
künstlich verhindert, kommt die ungleiche Entwicklung in plötzlich
ausbrechenden Krisen dennoch zum Ausdruck.
Es ist von daher Betrug, wenn die Tobin Tax Menschen, die sich zurecht über
das Elend empören, das der Imperialismus erzeugt, als Heilmittel verkauft
wird, eine gerechte Weltordnung zu ermöglichen.
Die Tobin Tax ist kein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit, Umverteilung oder
Ähnliches, sondern zielt in erster Linie auf eine gewisse, zeitweilige
Sicherheit der Kapital- und Warenexporte. Und sie bereitet die Bindung von Entwicklungsländern
an eine Leitwährung vor. Krisen brechen trotz der leeren Versprechungen
der Wunderheiler aus.
Bundesbankchef Welteke hat von daher völlig recht, wenn er sagt: Spekulative
Kapitalströme sind nur Symptome für vermutete Ungleichgewichte. Entsprechend
setzt eine Steuer auf Devisenumsätze an den Symptomen an. Heilung ist davon
nicht zu erwarten, sie muss vielmehr bei den Ursachen ansetzen. (FTD )
Wenn mit der Tobin Tax der Durchbruch zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte
verkauft wird, ist das eine Mischung von Illusion, Dummheit, Naivität und
Betrug.
Allerdings hat auch Welteke seine Wunderheilmittel gefunden, nämlich eine
richtige Wirtschafts- und Finanzpolitik. Auch hier schließt sich Attac
durchaus an. Pierre Bordieu, einer der Gründer von attac spricht das auch
offen aus: Warum sollte
nicht der Staat einen besonderen Platz
haben? Und zwar der nationale Staat oder besser noch der supranationale, das
heißt der europäische Staat (als Etappe auf dem Weg zu einem Weltstaat),
der die auf den Finanzmärkten realisierten Profite kontrollieren und wirksam
besteuern könnte? (Programmheft zum Attac-Kongreß vom 19.
in Berlin) Der Regierungspolitik von Jospin, Schröder oder wem auch immer
wird eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung von internationalen Finanzkrisen
angedichtet. Das Problem ist aber der Kapitalexport, der die Grundlage der internationalen
Beziehungen der imperialistischen Länder bildet, nicht diese oder jene
Politik.
Deshalb können auch Währungsunionen Krisen nicht verhindern. Diese
verändern innerhalb eines einheitlichen Währungsgebiets nur ihre Form.
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