Wie steht die KPD zu Attac?

Die KPD sieht, daß Attac gegenwärtig zu einem gewissen Anziehungspunkt kritischer Menschen geworden ist. Das kann im Einzelfall zu einer Beteiligung an und Unterstützung von Aktionen führen, die sich gegen das Finanzkapital richten. Die KPD kann aber wegen der pro-imperialistischen Grundlage von Attac nicht für eine Mitgliedschaft oder finanzielle Unterstützung von Attac werben.

Die sozialdemokratische Grundlage von Attac zu beeinflussen, dürfte unmöglich sein. Denn Attac ist nicht von Einzelpersonen, sondern von Organisationen gegründet worden, die eine sozialdemokratische bzw. christliche Grundausrichtung haben. Es gibt keine Strukturen, in denen SprecherInnen gewählt oder programmatische Fragen diskutiert und beschlossen werden können. Sie stehen mit den Gründungsorganisationen fest. So attraktiv ein Netzwerk für Leute ist, die sich nicht binden wollen:
Attac hat klare Bindungen. Es ist von daher verständlich, daß Attac nicht zuletzt von linkssozialdemokratischen Organisationen unterstützt wird. An erster Stelle stehen linksruck, SAV und andere trotzkistische Organisationen. Aber auch die DKP arbeitet mit. In der UZ kam mit Hugo Braun ein Mitglied des Koordinierungskreises von Attac Deutschland zu Wort, der wohl auch den Standpunkt der DKP zum Ausdruck brachte.

Er knüpfte an einen Spruch von Susan George an, einer international bekannten Attac-Aktivistin, daß die Mega-Konzerne unter demokratische und gesetzlich bindende Kontrolle gestellt werden müßten. „Es geht also um die schrittweise Kontrolle und Entmachtung der großen transnationalen Konzerne und Finanzinstitutionen.“ (uz 7.12.2001) Und wenn schon Susan George das sagt, die nicht die radikalste Sprecherin von Attac in Europa sei, ja dann müßte doch Attac in diese Richtung zu entwickeln sein. Braun sagte zwar richtig, daß Lernprozesse in der politischen Praxis organisiert werden müßten.

Das bedeutet jedoch nicht, daß Attac ein Hebel werden könnte, das Finanzkapital schrittweise zu entmachten. Die Gründungsorganisation und die gegenwärtigen Mitgliedsorganisationen schließen das aus. Und die Tobin-Steuer in den Geruch zu bringen, daß sie den Prozeß der Kontrolle der Konzerne fördere, ist ebenso Geschwätz wie etwa die Behauptung, daß die Konzerne seit der Einführung der Ökosteuer unter demokratischer Kontrolle stünden. Sie stehen unter der Kontrolle des Kapitals, das sie beherrscht, nicht unter Kontrolle der Gesellschaft. Auch dann nicht, wenn sie besteuert werden. Solche Überlegungen sind weniger ein Mittel, den Sozialismus vorzubereiten, als ihn für überflüssig zu erklären. Sie hemmen den Lernprozeß, den sie in Worten doch fördern wollen. Sie berufen sich zwar auf Marx, dienen aber dazu, revolutionäre Bestrebungen auf das Maß zurückzustutzen, das die Sozialdemokratie erlaubt. Sie fördern den schrittweisen Übergang zur Bejahung des Kapitalismus bei denen, die offen für andere Erkenntnisse sind.
So jedenfalls können KommunistInnen auf jeden Fall nicht arbeiten, wenn sie mit Attac in Berührung kommen bzw. sich an einzelnen Aktivitäten beteiligen.



kpd-online.info v 4_3