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ROTER MORGEN online 2, 2008


Universität Frankfurt/Main


Länger arbeiten – weniger verdienen

21.04.2008

(Korrespondenz) Das jedenfalls will die Universitätsleitung bei den Tarifverhandlungen durchsetzen, die jetzt begonnen haben. Die Universität Frankfurt am Main war am 1. Januar in eine Stiftungsuniversität umgewandelt worden. Diese Umwandlung bedeutet praktisch eine Privatisierung, die die Universität vollständig den Interessen des Kapitals unterordnet. Das hat nicht nur für die Studierenden, sondern auch für die Beschäftigten erhebliche Konsequenzen. Zu diesen gehört auch, dass die Universität einen eigenen Tarifvertrag abschliessen kann.
Dafür hat die Leitung der Universität jetzt ihren „Forderungskatalog“ bekannt gegeben. Hier die wichtigsten Punkte:
1. Arbeitszeit
Nach dem Willen der Universitätsleitung soll die wöchentliche Arbeitszeit rückwirkend vom 1.1. 2008 an auf 40,15 Stunden heraufgesetzt werden. Völlig zu recht schreibt ver.di in ihren Tarifinformationen dazu: „Eine solche Arbeitszeitverlängerung ist mit ver.di nicht zu vereinbaren.“ Nach dem Ausstieg Hessens aus der Tarifvereinigung der Länder gilt für die beamteten und neuangestellten Beschäftigten eine wöchentliche Arbeitszeit von 42 Stunden. Für alle anderen Beschäftigten gelten die Bestimmungen des BAT (Hessen fällt nicht in den Einzugsbereich des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst der Länder / TV-L) mit 38,5 Stunden. Die 38,5-Stunden-Woche muss für alle Beschäftigten durchgesetzt werden.
2. Löhne
Die Universitätsleitung bietet eine „Lohnerhöhung von sage und schreibe 2,4% an. Das ist natürlich völlig unakzeptabel. Die 2,4% entsprechen dem sogenannten hessischen Tarifgesetz, welches die Landesregierung mit Koch an der Spitze angesichts des tariflosen Zustands verabschiedet hat. Allerdings ist es ebenfalls völlig inakzeptabel und nicht im Interesse der Beschäftigten, dass die ver.di-Verhandlungsführer nur eine Lohn“erhöhung“ von 2,9% aufgerundet auf volle 5 Euro fordern. Das entspricht den Vereinbarungen im TV-L. Für eine solche Forderung werden die Beschäftigten nicht bereit sein zu kämpfen.
3. Andere Schweinereien
Nach dem Willen der Universitätsleitung sollen Überstunden leichter ermöglicht werden, indem der Zeitraum zu ihrer Ermittlung von einer Woche auf vier verlängert wird. Sie will außerdem die Verpflichtung einführen, dass die Arbeitsleistung „unter besonderer Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit (!) auszuführen ist“. Die bisherigen Regelungen zur Unkündbarkeit sollen abgeschafft werden.
Und dann sind da noch Forderungen, bei denen man sich die Augen reibt, weil sie so unverschämt sind.
Erholungsurlaub heißt es da, ist „unter Beachtung der betrieblichen Belange der Universität (z.B. Vorlesungszeit) zu nehmen.“ Und: „Ärztliche Untersuchungen sollen nur noch außerhalb der Arbeitszeit erfolgen. Andernfalls soll die versäumte Arbeitszeit nachgeholt werden.“
Die Forderungen der Universitätsleitung sind eine klare Kampfansage an die Beschäftigten. Sie werden sich, wenn sie keine Verschlechterung ihrer Lebenslage hinnehmen wollen, auf einen harten Kampf vorbereiten müssen. Der ver.di-Bezirk hat die Beschäftigten aufgerufen, jetzt die „vorgelegten Forderungen und Positionen“ zu diskutieren“. Das ist richtig und auch dringend notwendig, angesichts der defensiven Haltung der ver.di-Verhandlungskommission. Eine Forderung von 8% mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro sollte ebenso aufgestellt werden, wie das Festschreiben der wöchentlichen Arbeitszeit auf 38,5 Stunden.
An der Universität ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad der Beschäftigten gering. Damit erfolgreich Kämpfe geführt werden können, müssen mehr Kolleginnen und Kollegen in die Gewerkschaft eintreten. Das sollte allen klar gemacht werden.
In jedem Fall aber wäre es naiv, sich auf die Verhandlunskommission von ver.di zu verlassen. Es geht darum, selbst aktiv zu werden und für die eigenen Interessen aufzustehen.


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