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ROTER MORGEN online 4, 2007


Revolusjon


Der Streit um das Öl in der Arktis

10.09.2007

Das imperialistische Gerangel um die Nordpolregion ist seit einiger Zeit ein wichtiges Thema in den Medien. Höhepunkt der Auseinandersetzungen war die Erkundungsfahrt eines russischen U-Bootes Ende Juli, bei der die russische Flagge am Nordpol auf dem Grund des Meeres gehisst wurde. Russlands Anspruch auf das rohstoffreiche Gebiet sollte damit öffentlichkeitswirksam demonstriert werden, denn die Konkurrenz ist groß: Auch Kanada, Norwegen und Dänemark erheben ihr Anrecht auf die Arktis und werden wiederum von den USA, Deutschland, usw. umworben. Nicht zufällig reiste Außenminister Steinmeier in der letzten Augustwoche zum Dienstbesuch auf die Insel Spitzbergen - Norwegens Zugang zum Nordpolarmeer - und erklärte gemeinsam mit seinem norwegischen Kollegen Støre, „sie sähen keinen Anlass zu der Befürchtung, Russland könnte seine territorialen Interessen am Nordpol anders als auf dem Verhandlungsweg durchsetzen.“ (FAZ v. 29. August). Im Klartext: Russlands Vorstoß hat seine imperialistischen Konkurrenten aufgeschreckt, die um ihre Interessen fürchten!

Der folgende Artikel stammt von der norwegischen marxistisch-leninistischen Organisation Revolusjon. Er stellt die Hintergründe der Auseinandersetzung aus norwegischer Sicht dar und analysiert die imperialistischen Widersprüche in der Arktis.


Der Streit um das Öl in der Arktis

Die Entdeckung ausgedehnter Gasvorkommen und die hohen Energiepreise haben zusammen mit der globalen Erwärmung dazu geführt, dass die Arktis in den Mittelpunkt des imperialistischen Wettkampfs gerückt ist, wobei Norwegen eine entscheidende Rolle zukommt.

„In den nächsten 25 Jahren wird die Welt gigantische Investitionen in die Suche nach Öl machen müssen. Deshalb ist es wichtig, jetzt Ölgesellschaften in das Gebiet der Barentssee zu holen“, so die Internationale Energie-Agentur (IEA), zitiert von der Zeitung Aftenposten im November 2005. „Die IEA fürchtet, dass die vorzeitige Nachfragesteigerung nach Energie um 50 Prozent bis 2030 zu einer größeren Abhängigkeit von den ölreichen Ländern in der politisch instabilen Zone des Mittleren Ostens führen wird.“ Die IEA erhielt die Antwort, die sie sich wünschte. Am 31. März 2006 präsentierte die norwegische Regierung ihren Plan zum Schutz der Barentssee, nachdem es vorher in den drei Parteien der „rot“-grünen Koalition zu schweren internen Auseinandersetzungen gekommen war. Das Fischereiwesen, die Umwelt-, Öl- und Gasindustrie werden gleichzeitig ausgebaut, „wir werden alle Verpflichtungen einhalten“, erklärte Premierminister Jens Stoltenberg (Arbeitspartei – Sozialdemokraten). Vor allem unsere Verpflichtungen gegenüber den Ölkonzernen und den USA, hätte er hinzufügen müssen.

Lebenswichtig für die ökologische Reproduktion
Dass einige der stärker bedrohten Fischereigebiete nicht in den Plan eingeschlossen sind, wie es die Linkssozialistische Partei (SV) gefordert hatte, bedeutet trotzdem keinesfalls einen dauerhaften Schutz dieser für die Küstenfischer lebenswichtigen Gebiete. Der Plan wird 2010 überarbeitet. Die Umweltorganisationen haben protestiert, sie kritisieren die Regierungsparteien heftig dafür, dass sie ihre Wahlversprechen zum Umweltschutz nicht eingehalten haben.

Das Norwegische Meer und die Barenssee sind für das gesamte reproduktive Umweltsystem wesentlich, besonders für den Kabeljau in der Norwegischen Arktis.

Mit einigen Ausnahmen werden Bohrungen nach Öl jenseidts der Finnmark-Küste an der Grenze zu Russland erlaubt. Die nördlichste Plattform zur Gasproduktion „Snohvit“ (Schneewittchen) hat neulich die Produktion aufgenommen. Dieses norwegische Projekt hat schon für sich allein bedeutende Ausmaße. Noch wichtiger ist aber, dass es als Eintrittskarte für Norsk Hydro und Statoil bei ihren Bemühungen dienen soll, beim Shtokman-Gasfeld einzusteigen, welches doppelt so groß ist und im russischen Wirtschaftsgebiet liegt.

Schneewittchen sucht ihren Prinz Shtokman
Im September 2005 suchte der gigantische russische Konzern Gazprom die fünf Firmen Hydro, Statoil, Total, Chevron und Conoco Philips für das Wettbewerbsfinale aus, das darüber entscheiden soll, welche von ihnen Partner für die Ausbeutung von Sthokman wird.

Unsere Regierung tut als Regierung der Monopole natürlich alles in ihren Kräften, um „unsere“ Konzerne zu begünstigen. Als der russische Premierminister Michail Fradkov am 28. März 2006 offiziell nach Norwegen kam, waren seine Besichtigungen der Gasleitungen von Norsk Hydro an der Westküste wichtiger Bestandteil des Protokolls.

Hydro und Statoil sind mit ihrer Technologie für Bohrungen im Meer international führend und deshalb von möglichem Interesse für die russische Öl-Oligarchie.

Die USA wünschen sich Norwegen als stabilen Ersatzlieferanten für Gas
Profitstreben und die erwarteten Ölpreissteigerungen an den Märkten bilden das Hauptmotiv für die Erforschung der Barentssee. Dennoch sind Geopolitik und imperialistische Konkurrenz ebenso wichtig in diesem Spiel.

„Die Wichtigkeit Norwegens für die USA bezüglich unserer nationalen Energiepolitik nimmt jedes Jahr zu“, erklärte der ehemalige Botschafter John Doyle in einem Interview im Herbst 2005. Norwegen könnte die Abhängigkeit vom instabilen Mittleren Osten verringern und würde es nicht in Erwägung ziehen, sein Öl und Gas in Euro statt in Dollar zu verkaufen, was die Hegemonie des Dollars gefährden würde, auf der die USA mit der Überbewertung des Dollars ein Kartenhaus aufgebaut haben. Ong war ein enthusiastischer Verteidiger des Schneewittchen-Projektes. Die Gaslieferung von hier zum Cove Point, Washington D.C., wird bald Realität sein.

Bei seinem Abschied und nach der unverschämten Forderung, die USA sollten an den Verhandlungen zwischen Norwegen und Russland teilnehmen, erklärte der Botschafter in einem Interview mit Dagbladet, dass „...die Initiativen Norwegens sich immer im Einklang mit den Zielen der Außenpolitik der USA befinden. Und Norwegen kann in einigen Fällen Dinge tun, die wir nicht tun können, seid Ihr doch, wer Ihr seid, und sind wir doch, wer wir sind.“
In der Arktis-Region könnten die USA einen Aufseher gebrauchen, und in der Vergangenheit hat sich Norwegen als guter Kandidat erwiesen. Ein Teil der Republikanischen Partei hat die Ratifizierung der UN-Konvention für das Meeresgesetz (UN-CLOS) in den USA blockiert, die 1982 verabschiedet wurde, und damit die USA im Kampf um die Neuverteilung der Öl-, Gas- und Fischvorkommen an den Rand gedrängt.

Die Klimaerwärmung bietet neue Gewinnperspektiven
Was die Umweltbewegungen fürchten, lässt die Ölfirmen frohlocken. Die globale Erwärmung hat bereits dazu geführt, dass das Eis in der Arktis in dramatischer Weise schmilzt. Im August 2005 gelangte ein russisches Aufklärungsschiff ohne Hilfe eines Eisbrechers zum Nordpol. Das war vorher noch nie möglich gewesen. Unter dem Polareis gibt es riesige Mengen an Bodenschätzen, die zwar noch nicht lokalisiert sind, aber erreichbar und gewinnträchtig sein können, wenn die Eismasse weiterhin schmilzt. Bis jetzt hat man nur einen Teil von dem geologisch untersucht, was unter der dicken Eiskappe versteckt ist.
Beinahe von derselben Bedeutung sind die Aussichten, kürzere Fahrtwege auszumachen, was zu drastischen Kostensenkungen führen würde. Ein neuer freier Pass für vier oder fünf Monate im Jahr würde neue Transportrouten eröffnen und neue Gewinnkalkulationen hervorrufen.

Diese Faktoren erklären, warum die Imperialisten so sehnsüchtig nach allem langen, was sie von den Ressourcen der Arktis kriegen können, und warum Staaten, die sich sonst als friedliche Nachbarn bezeichnen, einen solch aggressiven Ton miteinander pflegen. Die Konkurrenz wird auch dadurch verstärkt, dass die klimatischen Veränderungen eine immense Wanderung von Hummer- und Fischkolonien hervorrufen. Das könnte bedeuten, dass einige Staaten große Ressourcen verlieren, wenn als Ergebnis der Veränderung der Wassertemperatur und der Strömungen einige Spezies in neue Gebiete umziehen.

Norwegen will seinen Einfluss ausbauen
Die rot-grüne Regierung, die Ende Herbst 2005 an die Macht kam, hat von Anfang an ihren Arbeitsschwerpunkt auf die Gebiete im hohen Norden gelegt, ob politisch, wirtschaftlich oder militärisch. Diese Orientierung ist nicht nur als Politik zur Ausbeutung natürlicher Ressourcen in Erscheinung getreten, sondern auch als Beweis einer unabhängigen Außen- und Sicherheitspolitik, die auf den nationalen Interessen basiert und von der totalen Unterordnung unter die USA abrückt. Die zweite Deutung ist besonders gut verkäuflich und wird von der linken Regierungspartei SV propagiert.

Trotzdem befindet sich der norwegische Schwerpunkt im hohen Norden in völligem Einklag mit den Wünschen und Interessen der USA, auch während er die imperialistischen Ambitionen Norwegens zum Ausdruck bringt. Für die USA ist es am besten, wenn das NATO-Mitglied Norwegen seine Aktivitäten und seine militärische Kraft in diesem Gebiet konzentriert. (1) Obwohl die USA die norwegischen „Beiträge“ zu den Besatzungstruppen in Afghanistan und anderen Regionen schätzen, tragen sie mehr symbolischen und politischen Charakter, besiegeln die Allianz der NATO.

Die Konkurrenz zwischen Russland, Kanada, Dänemark und Norwegen
Vor einiger Zeit stellten Norwegen und Russland Gebietsforderungen und nahmen teilweise das Gesetz in die eigene Hand. Seit mehr als 30 Jahren streiten sich die beiden Staaten über das Prinzip, das bezüglich der wirtschaftlichen Grenze im Meer angewandt werden soll. Norwegen besteht auf dem Prinzip der Mittellinie, während Russland das Sektorenprinzip nennt. Das Gebiet, um das gestritten wird, heißt Graue Zone und ist eines der Lieblingsgebiete für Piratenfischer aus verschiedenen Ländern, die mit großen Flotten kommen. Norwegen verteidigt eine selbsternannte Schutzzone rund um Spitzbergen, die von anderen Staaten nicht anerkannt wird.

Im Jahr 2001 versuchte Russland, die Hälfte des Arktischen Meeres zu dominieren, wurde aber von seinen imperialistischen Rivalen zurückgewiesen. Kanada und Dänemark haben ebenfalls auf aggressive Weise Anspruch auf die Arktis-Region erhoben. Sie kämpfen um die Kontrolle des kleinen Felsens Hansoya jenseidts von Grönland. Dänemark, das Grönland wie eine Halbkolonie beheerscht, versucht zu beweisen, dass der Nordpol eine natürliche, geographische Verlängerung von Grönland ist, während Kanada seine militärische Kraft zeigt, indem es die Polargrenzen mit einer Armee von 1500 Mann bewacht, die meisten von ihnen Einheimische aus der Zone. Das aggressive Verhalten der Kanadier hat zum Ziel, in Zukunft den Nordwest-Pass zu kontrollieren und das schon jetzt zu demonstrieren. Der Begriff Kalter Krieg wird an der Aktischen Front vielleicht neu definiert.

Ursprünglich veröffentlicht auf der Webseite von Revolusjon am 2. April 2006


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