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Stuttgarter Flughafen

Großdemonstration gegen 2. Startbahn

22.04.2008

(Korrespondenz) Filder, 12. April. Aus vier von den Ausbauplänen der Flughafengesellschaft am härtesten betroffenen Fildergemeinden sind am Samstagnachmittag eindrucksvolle Demonstrationszüge zur Kundgebung marschiert. Diese wurde auf dem von der Startbahn in seiner Existenz bedrohten großbäuerlichen Betrieb Hagenbrunnenhof bei Scharnhausen mit ca. 20.000 Teilnehmern durchgeführt. Aufgerufen dazu hatten die Schutzgemeinschaft Filder und der Kommunale Arbeitskreis Filder. Anwesend waren auch 40 Landtagsabgeordnete, allerdings keiner von der CDU (deren Ministerpräsident Oettinger die Pläne immer noch „ergebnisoffen“ diskutieren möchte).
Bereits seit Anfang März finden jedes Wochenende geführte Spaziergänge entlang der Planungsgebiete statt - für die Schutzgemeinschaft Filder eine neue und Betroffenheit herstellende Aktionsform.

Kundgebungsredner von der Schutzgemeinschaft, Bürgermeister von betroffenen Gemeinden sowie Politiker aus den Landtagsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, der SPD und der FDP wandten sich zum Teil in scharfer Form gegen die lebensfeindlichen Planungen der Flughafengesellschaft. Die Kundgebung machte aber auch klar, dass der Widerstand noch wachsen muss, soll die Startbahn verhindert werden.
Durch die Ausbaupläne der Flughafengesellschaft stehen etwa 20 bäuerliche Existenzen auf dem Spiel. Rund 200 Hektar fruchtbarster Böden und Grünflächen würden erneut verloren gehen. Schon die Startbahnverlängerung 1996 kostete ca. 200 Hektar, die neue Landesmesse verschlang 2004 direkt am Flughafen rund 120 Hektar. Diese Flächen spielen für das Kleinklima und für die Versorgung mit frischem Gemüse eine wichtige Rolle.
Nach den Plänen des Flughafenchefs Georg Fundel sollen künftig 250.000 Flugbewegungen pro Jahr die Region und ihr Klima belasten. Waren es 1998 noch 88.000, so ergab sich bis 2007 nahezu eine Verdoppelung auf 163.000 Flugbewegungen. Lärm, Abgase, Verkehr und Feinstaub belasten die Filder-Bevölkerung schon jetzt mehr als genug. Kohlendioxid-Emissionen nehmen um 3,5% pro Jahr durch den Flugverkehr zu. In hohen Luftschichten tragen Flugzeuge auch Stickoxide und Wasserdampf ein. Nach Angaben des BUND sind dadurch entstehende Klimawirkungen zwei- bis fünfmal größer als durch den Kohlendioxid-Ausstoß am Boden. Der Flugverkehr trägt so zu 4% der globalen Erwärmung bei. In den nächsten 30 Jahren wird eine Verdreifachung des Schadstoffausstoßes erwartet.
Was treibt die Flughafengesellschaft zu ihren Ausbauplänen? Nirgendwo auf der Welt gibt es eine solche Dichte an Flughäfen wie in Deutschland. Die Zunahme der jährlichen Flugbewegungen in Stuttgart schwächt sich seit fünf Jahren ab. Auch die Wirtschaft braucht nach Angaben der Flughafen GmbH die neue Startbahn nicht!
Am Standort gerät kleines und mittleres Kapital in Widerspruch zum Großkapital. So argumentieren Kommunalpolitiker auf den Fildern, dass die verplanten Flächen frei bleiben müssten für die Ansiedlung kleiner und mittlerer Betriebe. Auch von daher ergibt sich die große Breite des Widerstands gegen den Flughafen. Und alle sind sich einig: Der Widerstand muss noch wachsen!
Der Stuttgarter Flughafen wurde in seiner Anfangszeit vor allem militärisch genutzt (2.Weltkrieg). Noch heute steht auf der Südwest-Seite des Flughafengeländes ein großer Teil den US-Streitkräften zur Verfügung. Durch die Kriege in Irak und Afghanistan nahmen auch die militärischen Flugbewegungen augenscheinlich zu.
Die Flughafengesellschaft hat durch den Bau einer neuen Startbahn nur kurzfristige Profite zu erwarten (vor allem auf dem Billigflug-Sektor). Warum soll sie also gebaut werden?
Niemand stellt bisher die Frage, ob nicht die NATO hinter den Ausbauplänen steckt. Soll Stuttgart wieder Militärflughafen sein in künftigen imperialistischen Kriegen? An Rüstung und Krieg wird bekanntlich am meisten verdient! Sind dies die Kalkulationen auch der Flughafengesellschaft?

Wir fordern:

- keine 2. Startbahn!

- keine Verkürzung des Nachtflugverbots, auch keinerlei Ausnahmen!

- Besteuerung des Flugbenzins!

- Schluss mit der Profitgeierei gegen die Lebensinteressen der Menschen!

- Entmilitarisierung des Stuttgarter Flughafens!


| Roter Morgen 2/2008
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