Wagen der Arbeiter- und Soldatenräte am Brandenburger Tor
Berliner Zeitung am 9.11.1918
Revolutionäre Arbeiter und Soldaten am Brandenburger Tor
Revolutionäre Massen am Brandenburger Tor
Die Rote Fahne 1918
Demonstration bewaffneter Marinesoldaten in Berlin
Karl Liebknechts letzte Ansprache vor seiner Ermordung
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Die Novemberrevolution und die Gründung der KPD
Als am 3. November 1918 in Kiel die Novemberrevolution begann, hatten
die Menschen 4 Jahre imperialistischen Krieg mit Millionen Toten, Hunger,
Elend und Leid hinter sich. Zigtausende waren als Krüppel in die
"Heimat" zurückgekehrt, wo sie nun als Bettler und Hausierer
um ihr tägliches Überleben kämpfen mußten. Während
Krupp, Thyssen und andere sich die Taschen gefüllt hatten, mußten
die arbeitenden Menschen den Krieg zahlen.
Ein Jahr zuvor - 1917 - hatte die Große Sozialistische Oktoberrevolution
gezeigt, wie man den Krieg, den Hunger beseitigen kann: Indem man das
Kapital entmachtet und enteignet und die Arbeiterklasse die Macht ergreift.
Eine der ersten Amtshandlungen der revolutionären Regierung Lenins
war die Verkündung eines einseitigen Waffenstillstands, die Beendigung
des Krieges gewesen. Dies war ein Signal für die unter dem Krieg
leidenden Massen in ganz Europa gewesen. Und das erste Jahr der revolutionären
Regierung in der Sowjetunion zeigte den Menschen eine grundlegende Perspektive
für den Weg zu einer neuen Gesellschaft.
In Deutschland hatte die ehemals revolutionäre Sozialdemokratische
Partei 1914 den Kriegskrediten im Reichstag zugestimmt. Karl Liebknecht
hatte dagegen gesprochen und gekämpft. Mit anderen revolutionären
Genossinnen und Genossen schloß er sich zunächst der USPD an,
die sich als linkssozialdemokratische Partei von der SPD abgespalten hatte.
Als klar wurde, daß die USPD keine revolutionäre Politik wollte,
gründete Karl Liebknecht mit Rosa Luxemburg und anderen den Spartakusbund,
der eine revolutionäre Partei schaffen sollte.
Unter dem Druck des Elends des Krieges, aber auch unter dem Einfluß
von USPD und spartakusbund hatte sich auch in Deutschland eine revolutionäre
Massenbewegung herausgebildet.
In einem Schreiben des sächsischen Innenministeriums an alle Kreishauptmannschaften
heißt es:
"315 IIc Eilt sehr! Geheim! Dresden, d. 8.4.17
Den Kreishauptmannschaften wird nicht entgangen sein, daß sich in
der Arbeiterbevölkerung namentlich in der letzten Zeit eine sich
immer mehr steigernde Erregung bemerkbar macht, die zu ernsten Besorgnissen
Anlaß gibt. Die Ursachen der Stimmung dürften, abgesehen von
der langen Dauer des Krieges, in der Hauptsache zurückzuführen
sein auf den Mangel an Brot, Kartoffeln und Kohlen, die politischen Umwälzungen
im russ. Reiche, deren einwirkungen auf unruhige Köpfe unverkennbar
sind, auf das allmähliche Bekanntwerden der schweren ausschreitungen
in außersäschsischen Gebieten wie Hamburg und Magdeburg, die
ansteckenden Einfluß auf niedere Massen auszuüben drohen, sowie
auf die Aufhetzung der Arbeiterkeise durch Frauen der unteren Stände..."
Überall in Deutschland gab es Streiks, Demonstrationen für
Brot, gegen den Krieg.
Am 16.4.17 forderten zehntausende Arbeiter auf einer Versammlung in Leipzig:
"1.Ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit billigen Lebensmitteln
und Kohlen.
2. Erklärung der Regierung zur Friedensbereitschaft ohne Annexionen.
3. Aufhebung des Belagerungszustandes und der Zensur.
4. Aufhebung der Beschränkung des Koalitions-, Vereins- und Versammlungsrechts.
5. Aufhebung des schändlichen Zwangsgesetzes.
6. Befreiung der wegen politischen Vergehen Festgenommenen und Niederschlagung
aller politischen Strafverfahren.
7. Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts
in allen Körperschaften des Staates und der Gemeinden.
8. Einführung von Arbeiterräten nach russischem Vorbild."
In den Jahren 1917 und 1918 kam es mehrfach in Armee und Flotte zu Meutereien.
Die reaktionäre kaiserliche Armeeführung ging mit äußerster
Brutalität dagegen vor. Viele Soldaten und Matrosen wurden ermordet
oder ins Zuchthaus gesteckt.
Am 28. Oktober 1918 erging an die in Kiel liegende Flotte der Befehl,
zu einem angeblichen Manöver auszulaufen. Doch die Matrosen hatten
einem geheimen Funkspruch der Generalität erfahren, aus dem hervorging,
daß die Flotte noch einmal bis zum Untergang des letzten Schiffes
gegen die englische Flotte kämpfen sollte. Die Generäle wollten
mit der sich abzeichnenden Niederlage alle Matrosen mit in ihren Untergang
reißen. Doch die Feuer wurden von den Heizern gelöscht. Daraufhin
wurden die Heizer und andere meuternde Matrosen zu Hunderten verhaftet!
Die meuternden Mannschaften auf den Kriegsschiffen beugten sich aber nicht.
Im Gegenteil! Täglich weitete sich die Meuterei aus und fand Unterstützung
durch die Arbeiter der großen Werften. In Kiel waren Versammlungen
an der Tagesordnung. So war es auch am 3. November, dem Ausbruch der Novemberrevolution.
Die Versammlung erweiterte sich zu einer Demonstration. Kurz vor ihrem
Ziel endete sie im Kugelhagel. Acht Tote und 28 Verletzte waren am Abend
nach dem Feuerüberfall zu beklagen. Aber bereits am folgenden Tag
wurde aus der Meuterei der Matrosen ein bewaffneter Aufstand, von dem
nun auch die an Land liegenden Marineeinheiten erfaßt wurden. Zur
gleichen Zeit begann der Streik der Arbeiter der Germaniawerft und der
Torpedowerkstätten.
Jedoch geschah an diesem vierten November etwas, das sich später
noch verhängnisvoll auf den weiteren Verlauf der Revolution, und
das nicht nur in Kiel, auswirken sollte. Eiligst von der SPD-Zentrale
im Einvernehmen mit der kaiserlichen Regierung geschickt, traf Gustav
Noske in Kiel ein . Er setzte sich augenblicklich an die Spitze der Erhebung.
Sein Ziel war es, sie ihres revolutionären Inhalts zu berauben.
Noske ließ sich von seinen sozialdemokratischen Freunden an die
Spitze des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates wählen, um sofort die
revolutionären Matrosen nach hause zu schicken. gleichzeitig half
er mit bei der Organisierung von reaktionären Freikorps und der Wiedereinsetzung
der Offiziere.
Am 7 . und 8 . November ergriff die Revolution fast alle wichtigen Städte
und industriellen Gebiete in Deutschland. Überall bildeten sich Arbeiter-
und Soldatenräte, in denen in der Hauptsache die Sozialdemokratie
aber oft auch die USPD und die Spartakusgruppe den entscheidenden Einfluß
besaßen.
Fast ganz Deutschland war seit dem dritten November von der Revolution
überflutet worden. Nur die Hauptstadt fehlte noch. In Berlin saßen
die Regierung mit ihrem gewaltigen Militärapparat und die Führungen
der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften, die gemeinsam
alle Anstrengungen unternahmen, einen Aufstand zu verhindern und der Revolution
im Lande ein rasches Ende zu bereiten. Mit Hilfe ihres Machtapparates
und ihrer Verwaltungsbürokratie war es ihnen bisher gelungen, der
Revolution vor den Toren der Stadt Halt zu gebieten.
Auf Vorschlag der Spartakusgruppe wurde am 8 . November beschlossen, die
werktätigen Massen und die Soldaten am 9 . November zum Generalstreik
und zum bewaffneten Aufstand aufzurufen. Am neunten November formierte
sich der erste Demonstrationszug. Den Soldaten, die sich ihm entgegenstellen
wollten, rief man zu: "Brüder, schießt nicht auf uns!"
Bereits am Mittag des 9 . November war Berlin in den Händen des
revolutionären Proletariats. Auf dem Schloß wurde an dem Mast
, an dem sonst die Kaiserfahne wehte die rote Fahne gehißt! Kaiser
Wilhelm II mußte abdanken und floh nach Holland. Die Hohenzollernmonarchie,
die jahrhundertelang in und über Deutschland geherrscht hatte, war
vom Ansturm der Arbeiter und anderen Werktätigen hinweggefegt worden.
In ganz Deutschland hatte die Revolution gesiegt. Die Regierungsgewalt
übernahm ein Rat von Volksbeauftragten aus Führern der SPD und
USPD.
Dem Sturz des Kaisers folgte die Absetzung aller anderen Könige,
Herzöge und Fürsten in Deutschland. An den Fronten herrschte
Waffenruhe. Über den Friedensschluß wurde verhandelt. Das alles
hatten die Volksmassen erkämpft. Jedoch war die Macht der Monopole
bisher nicht angetastet worden. Großgrundbesitzer, das Kapital,
die kaiserlichen Beamten - sie alle waren noch da. Und an der Spitze des
Staates standen rechte Sozialdemokraten zusammen mit rechten Vertretern
der USPD, die diesen Staat, der bald Weimarer Republik genannt wurde,
im Sinne der alten herrschenden Kräfte regenerierten und nicht im
Sinne der Arbeiter und der übrigen Werktätigen.
Über dieses Bündnis der Herrschenden mit der SPD schrieb der
Chef der Obersten Heeresleitung (OHL) Groener später:
"Das Offizierkorps konnte aber nur mit einer Regierung zusammengehen,
die den Kampf gegen den Radikalismus und Bolschewismus aufnahm. Dazu war
Ebert bereit, aber er hielt sich nur mühsam am Steuer und war nahe
daran, von den Unabhängigen und der Liebknecht-Gruppe über den
Haufen gerannt zu werden. Was war demnach näherliegend, als Ebert,
den ich als anständigen, zuverlässigen Charakter und unter der
Schar seiner Parteigenossen als den staatspolitisch weitsichtigsten Kopf
kennengelernt hatte, die Unterstützung des Heeres und des Offizierkorps
anzubieten?
...Ebert ging auf meinen Bündnisvorschlag ein. Von da ab besprachen
wir uns täglich abends auf einer geheimen Leitung zwischen der Reichskanzlei
und der Heeresleitung über die notwendigen Maßnahmen. Das Bündnis
hat sich bewährt."
In der Novemberrevolution zeigte sich auch die Schwäche der revolutionären
Bewegung in Deutschland. Es gab keine starke Kommunistische Partei. Zwar
hatten die deutschen Revolutionäre tapfer gegen den Verrat der Sozialdemokratie
und gegen den imperialistischen Krieg gekämpft. Sie hatten es aber
versäumt, rechtzeitig eine mit den Massen verbundene Partei aufzubauen,
wie das in Rußland unter Lenin geschehen war.
Diese Schwäche machte sich in der Novemberrevolution dramatisch bemerkbar.
Während die Massen die Revolution erkämpften, fehlte eine klare
Führung. Fast überall konnten daher Sozialdemokraten und rechte
USPDler das Heft an sich reißen und die Revolution Schritt für
Schritt zurückdrängen.
Am kam endlich der Gründungsparteitag der KPD in Berlin
zusammen. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg standen an der Spitze der
neuen Partei.
Das Kapital erkannte schnell die Gefahr. Die SPD-Regierung und die Heeresleitung
vereinbarten die Ermodung von Karl und Rosa. In ganz Berlin wurden Plakate
mit der Aufforderung zum Mord an den beiden geklebt. Am 15.Januar wurden
dann beide von Soldaten gefangengenommen und beim Abtransport verhaftet.
Ihre Leichen wurden im Lanwehrkanal versenkt. Mit diesem Mord hatten SPD
und das Militär der Revolution zunächst den Kopf abgeschlagen.
Doch Karl und Rosa hinterließen das von ihnen noch geschaffene
Werkzeug der Revolution: die KPD.
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