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Die Gegenwart
Der letztlich entscheidende Grund dafür, daß die KPD in den
vergangenen 30 Jahren zu keiner politisch einflußreichen Kraft wurde,
liegen in besonderen Bedingungen der Entwicklung des deutschen Imperialismus,
der in der Lage war, durch diese und jene Brotsamen die Arbeiteraristokratie
zu päppeln und in der Arbeiterklasse den Geist der Konkurrenz sowie
der Anpassung an die Interessen der Bourgeoisie zu züchten. Die materiellen
Bedingungen, die das bislang nahezu uneingeschränkte Dominieren des
Opportunismus in der Arbeiterklasse bewirkt haben, beginnen allerdings,
sich zu verändern. In welchem Tempo diese Entwicklung voranschreiten
wird, läßt sich nicht voraussagen. Heute besteht jedenfalls
die höchst widersprüchliche Situation, daß die Fäulnis
des Kapitalismus ein vorher nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat,
die Widersprüche eine nie dagewesene Zuspitzung, daß aber zugleich
die bewußten revolutionären Kräfte außerordentlich
schwach sind, daß die Bereitschaft, KommunistIn zu werden, heute
sogar noch geringer ist als etwa in den 70er Jahren.
Doch letzteres wird nicht auf Dauer so bleiben. Die Änderung der
objektiven Lage führt auch zur Suche nach einem Ausweg, allerdings
nicht mechanisch. Ist das Konkurrenzdenken innerhalb der Klasse und auch
innerhalb von unteren Schichten der Klasse stark, so kann es bei Verschärfung
der Krise vorübergehend noch stärker werden: Man sucht die Lösung
im Kampf gegen "die Ausländer" die "uns" angeblich
die Arbeitsplätze wegnehmen, gegen "die Sozialschmarotzer",
die "uns" angeblich auf der Tasche liegen usw. Zugleich aber
wachsen die Bedingungen, unter denen Klassenbewußtsein entstehen
kann, das Bewußtsein von der Notwendigkeit, gemeinsam - als Klasse
- gegen das Kapital zu kämpfen, um nicht unter die Räder zu
kommen.
Es gilt, jeden - auch noch so kleinen - Schritt in diese Richtung aufzugreifen
und mit den KollegInnen gemeinsam zu kämpfen. Es gilt, entsprechend
den sich allmählich verbessernden objektiven Bedingungen Mittel und
Wege zu finden, um ArbeiterInnen und kleinen Angestellten die Notwendigkeit
und Möglichkeit des revolutionären Auswegs aus der krisenhaften
Entwicklung zu zeigen und um die KPD zu stärken. Die materielle Basis
des Opportunismus und der Arbeiteraristokratie ist sicher noch sehr stark,
doch dauerhaft wird der anhaltende Fall der Profitrate auch die finanziellen
Mittel mindern, die die Bourgeoisie zur Bestechung von Teilen der Klasse
und zu ihrer Spaltung aufwenden kann. Der Kapitalexport verstärkt
die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland, senkt den Lohnstandard der
arbeitenden Menschen und engt damit den inneren Markt ein. Die Monopole
sind bestrebt, das Lohnniveau in Richtung geringer entwickelter -z.B.
osteuropäischer - kapitalistischer Länder zu drücken, und
die Arbeiterklasse ist in wachsendem Maße gezwungen, sich zur Wehr
zu setzen.
Es gilt, aufmerksam jede Entwicklung zu beobachten, die dazu genutzt
werden kann, Breschen in die Mauer des Imperialismus und Opportunismus
zu schlagen. Es gilt, aufmerksam zu untersuchen, welche Teile der Arbeiterklasse
am ehesten für eine andauernde und zähe revolutionäre Arbeit
gewonnen werden können und wie auf die anderen Teile politisch gewirkt
werden kann, um sie nach und nach der geistigen Vorherrschaft des Imperialismus
und Opportunismus zu entziehen. Ganz besonderes Augenmerk muß der
Arbeiterjugend gelten. Hier ist die Bereitschaft am größten,
mit überkommenen Formen und Schemata zu brechen, deren Inhalt die
opportunistische Anpassung an die Interessen der imperialistischen Bourgeoisie
ist, doch es gilt, auch mit dem Inhalt dieser Formen zu brechen, und die
Jugend wird keine sozialistische Perspektive finden, wenn sie ihr nicht
gezeigt wird. Hier ist die Tätigkeit der KommunistInnen in besonderem
Maße gefordert.
Wie gesagt: Es gab in den vergangenen Jahrzehnten objektive Bedingungen
dafür, daß die sozialistische Bewegung keine reale politische
Kraft sein konnte, doch diese Bedingungen beginnen sich zu verändern.
In dieser Situation ist besonders wichtig, daß die Kommunistinnen
und Kommunisten entsprechend ihren Möglichkeiten an den sich entwickelnden
Kämpfen der Arbeiterklasse teilnehmen und bestrebt sind, diesen Kämpfen
eine Orientierung zu geben, die die Entwicklung von Klassenbewußtsein
maximal fördert. Darüber hinaus ist eine möglichst einfache
und allgemeinverständliche sozialistische Propaganda von großer
Bedeutung, eine Propaganda, die in einfachster und überzeugendster
Weise aus den Tagesproblemen der Klasse und den unlösbaren Widersprüchen
der kapitalistischen Gesellschaft die Notwendigkeit herleitet, daß
die arbeitenden Menschen selbst über den gesellschaftlichen Reichtum
verfügen müssen, den sie geschaffen haben.
Von maximaler Einfachheit muß diese Propaganda deshalb sein, weil
es gilt, vor allem die unteren Schichten des Proletariats anzusprechen,
die aber seitens der Bourgeoisie von einer dem Stand der Produktivkräfte
entsprechenden Bildung ferngehalten wurden und werden und denen seitens
der schwachen kommunistischen Kräfte in den vergangenen Jahrzehnten
ebenfalls kaum Bildungselemente zugeführt werden konnten. Sozialistisch
muß diese Propaganda sein, weil die Propagierung der sozialistischen
Ziele und Aufgaben des Proletariats eine elementare Voraussetzung dafür
ist, daß die Arbeiterklasse auf Grundlage ihrer Klasseninteressen
wieder in die politische Arena treten kann. Zumindest in einem nennenswerten
Teil der Klasse muß sich wieder eine sozialistische Grundorientierung
herausbilden. Dies ist eine Voraussetzung dafür, daß die Fortgeschrittensten
der Klasse sich zur politischen Partei formieren können. Besondere
Bedeutung hat das Gespräch mit kämpferischen, fortschrittlichen
Menschen, die es von der Sache des Sozialismus zu überzeugen gilt.
Um zu erstarken und schließlich zu siegen, braucht die Arbeiterbewegung
eine revolutionäre Orientierung, braucht sie eine Partei, die den
wissenschaftlichen Sozialismus auf die konkreten Probleme des Klassenkampfes
anzuwenden versteht. Die kommunistische Partei ist die Verbindung von
wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterbewegung. Der Aufbau der KPD
bedeutet heute vor allem die Arbeit an der Schaffung einer derartigen
stabilen Verbindung. Diese Aufgabe ist nicht einfach, aber sie ist der
nächste Schritt, der bewältigt werden muß. Zugleich muß
bereits sorgfältig beobachtet werden, welche Risse zwischen anderen
Schichten der Bevölkerung und dem Finanzkapital sich entwickeln,
wie diese Risse vertieft werden können. Besteht erst eine starke
revolutionäre Arbeiterpartei, so werden sich die Möglichkeiten,
vorerst noch schwankende Menschen bzw. Schichten der Bevölkerung
für den Kampf gegen den Imperialismus zu gewinnen, bedeutend verstärken.
Der Imperialismus ist faul und angeschlagen, aber er kann die Menschheit
mit sich in den Abgrund reißen, wenn er nicht zerschlagen wird.
Doch er wird zerschlagen werden, wenn die Arbeiterklasse ihre geschichtliche
Aufgabe erfüllt, wenn die Kommunistinnen und Kommunisten auf der
Höhe der Zeit stehen und der Arbeiterklasse die hierzu erforderliche
Orientierung geben.
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