Erster Volkskongreß der Arbeiter- und Soldatenräte
Der Kapp-Putsch
Die Rote Ruhr-Armee
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Die Gründung der Weimarer Republik
Die Weimarer Republik
Auf der ersten Vollversammlung vom 16. bis 20. Dezember 1918 in Berlin
beschlossen die Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands, eine Nationalversammlung
einzuberufen, und legten die Wahlen dazu auf den 19. Januar 1919 fest.
Unter dem Einfluß der rechten sozialdemokratischen Führer
hatten die Räte keine Klarheit über ihre revolutionären
Pflichten. Anstatt zuvor, gestützt auf das revolutionäre Volk,
den alten kaiserlichen Staatsapparat zu zerschlagen, das Volk zu bewaffnen,
die Kriegsverbrecher zu bestrafen, zu entmachten und zu enteignen, eine
Bodenreform durchzuführen, überließen sie die zukünftige
Gestaltung Deutschlands der Nationalversammlung. Die Feinde des Volkes,
die Junker, Kapitalisten, Generale, hatten damit ihr Ziel erreicht.
Es gelang ihnen, die Weiterführung der Revolution durch die Arbeiter-
und Soldatenräte zu verhindern und die alte Ordnung zu erhalten,
die den Großgrundbesitzern und Monopolkapitalisten auch weiterhin
die Herrschaft sicherte. Scheinbar lag die Gestaltung des kommenden Schicksals
Deutschlands in der Hand der Wähler zur Nationalversammlung. Das
Wahlrecht war aber nur ein formales Recht, solange sich die Betriebe,
die großen Rittergüter und der gesamte Staatsapparat in den
Händen der Ausbeuter und Unterdrücker befanden. Die Imperialisten
verstanden es geschickt, die Wähler zu täuschen und irrezuführen.
Die erste Regierung bildete der Sozialdemokrat Scheidemann. Diese Regierung
festigte die Macht der herrschenden Kapitalistenklasse.
Die revolutionäre Nachkriegskrise
1919 wurde in Paris der Versailler Vertrag unterzeichnet nach dem Deutschland
ein Achtel seines Territoriums und ein Zwölftel der Bevölkerung
verlor. Deutschland wurde ein Frieden aufgezwungen, der ein Frieden von
Wucherern und Henkern war. (Lenin) Dieser Raubfrieden brachte Hunger,
Elend für das deutsche Volk. Keineswegs jedoch vernichtete der Versailler
Vertrag die Machtposition des deutschen Imperialismus.
Im Lande selber verschärften sich die Klassengegensätze und
der Klassenkampf. Die Abwälzung der Lasten des Krieges auf die Schultern
der Werktätigen bedeutete Teuerung und fortschreitende Inflation.
Eine Streikwelle überzog das Land. Im Januar 1920 kam es zur heftigen
Gegenwehr Hunderttausender Arbeiter gegen ein Betriebsrätegesetz.
Seine Aufgabe war die Klassenversöhnung und beendete gleichzeitig
die Arbeiter- und Soldatenräte. Dagegen demonstrierten am 13. Januar
1920 Hunderttausende Arbeiter. "Bluthund"-Noske (SPD) ließ
das Feuer auf die Demonstranten eröffnen. Dabei wurden 42 Arbeiter
getötet. Gleichzeitig wurde der Belagerungszustand verhängt,
die Presse der KPD wurde verboten.
In dieser Situation trat am 25. Februar 1920 in Karlsruhe der 3. Parteitag
der KPD trotz Illegalität und Belagerungszustand zusammen. Auf dem
Parteitag wies Clara Zetkin angesichts der Vorbereitung der Reaktion zu
einem Putsch darauf hin, daß eine erneute Machtprobe zwischen der
Reaktion und den Werktätigen bevorstehe. Am 13. März besetzten
Truppen des Generals von Lüttwitz Berlin und bildeten unter Mitwirkung
von Ludendorff und Tirpitz die Regierung Kapp. Dies war ein Putsch der
Junker und Monarchisten, der jedoch nur von einem kleineren Teil der Bourgeoisie
unterstützt wurde. Die Nachricht über den Putsch der Kappisten
löste in ganz Deutschland spontane Protestkundgebungen und Aktionen
der Arbeiter aus. Unter dem Druck dieser gewaltigen Massenkundgebungen
mußte die Führung der Gewerkschaften, der SPD und USPD zum
Generalstreik aufrufen. Infolge des energischen Widerstandes, den das
deutsche Proletariat der Reaktion geleistet hatte, endete der Kapp-Putsch
schon nach drei Tagen mit einer vollständigen Niederlage.
Im Ruhrgebiet ging der Generalstreik in den bewaffneten Kampf gegen Freikorps
und Reichswehr über. Kommunistische, sozialdemokratische, christliche
und unorganisierte Arbeiter bildeten Abteilungen der Roten Ruhrarmee.
Ihre Forderungen waren: Eroberung der politischen Macht und Sozialisierung
der Grundstoffindustrien. Am 21. März war das gesamte Ruhrgebiet
in den Händen der Roten Armee. Wiederum traten die sozialdemokratischen
Führer als Verteidiger der Herrschaft der Bourgeoisie auf. Es gelang
ihnen, durch Versprechungen die Einheitsfront der Arbeiter zu zerschlagen.
Der Streik wurde abgebrochen und die Rote Armee löste sich auf.
Nunmehr rief Severing (SPD) die Truppen herbei, die am Kapp-Putsch teilnahmen
und stellte den Arbeitern ein Ultimatum: vollständige Auflösung
der Roten Armee, Abgabe aller Waffen und Wiederherstellung der "Ordnung".
Hunderttausende Mann Regierungstruppen, Polizeieinheiten und Freikorps
drangen in das Ruhrgebiet ein. Trotz Annahme des Ultimatums wurden Arbeiterwohnviertel
durch Artilleriebeschießung in Schutt und Asche gelegt, tausende
Arbeiter erschossen.
Der Generalstreik gegen den Kapp-Putsch war die gewaltigste Einheitsaktion
der deutschen Arbeiterklasse in der Weimarer Periode. Sie hat gezeigt,
was die Arbeiterklasse zu erreichen vermag, wenn sie einheitlich und geschlossen
kämpft. Wieder waren die imperialistische Bourgeoisie und das Junkertum
durch die rechten SPD- und USPD-Führer gerettet worden.
Besonderes im Ruhrkampf zeigte es sich, daß in dieser Situation
das Proletariat noch keine genügend feste kommunistische Führung
besaß. Die KPD, in deren Führung sich Opportunisten befanden,
verstand es nicht, die Hinweise Lenins zu beachten, der erklärte,
daß die Partei Zielklarheit, Organisiertheit, Verbindung mit den
ausgebeuteten Massen, Entschlossenheit und Kühnheit aufbringen müsse,
um die entstandene Krise für den Sieg der Revolution auszunutzen.
Die Empörung über die verbrecherische Politik der rechten SPD-Führer
und die zunehmende Revolutionierung der Massen zeigte sich bei den Reichstagswahlen
1920, bei denen die SPD eine gewaltige Stimmeneinbuße hinnehmen
mußte: 6 Millionen gegen 11,5 Millionen 1919, während USPD
5 Millionen erhielt und die KPD 600 000. Im gemeinsamen Kampf kamen sich
USPD und KPD immer näher. Auf dem Parteitag der USPD in Halle (1920)
stimmten zwei Drittel der Delegierten - als Vertreter der klassenbewußten
Arbeiter - für den Anschluß an die Kommunistische Internationale.
Auf dem Vereinigungsparteitag des linken Flügels der USPD mit dem
der KPD ) kam es zur Gründung der "Vereinigten
Kommunistischen Partei Deutschlands (auf dem 7. Parteitag 1921 wurde der
Name in "Kommunistische Partei Deutschlands" geändert).
Zur Partei stießen kampferprobte Arbeiterführer wie Ernst Thälmann,
dem über neun Zehntel der früheren USPD im Bezirk Wasserkante
in die VKPD folgten.
Die Märzkämpfe in Mitteldeutschland
Im Laufe des Februar und März 1921 machte sich in Deutschland eine
rasche Verschärfung der politischen Situation bemerkbar. Auf der
Londoner Konferenz Anfang März drohten die Siegerstaaten, den deutschen
Außenhandel zu unterbinden und weite Gebiete Deutschlands zu besetzen.
Wenige Tage später rückten alliierte Truppen in Düsseldorf,
Duisburg und Ruhrort ein.
Die Auswirkungen des Versailler Diktats zeigten sich in einem weiteren
Ansteigen der Teuerung, der Arbeitslosigkeit und des Elends. Die ausländischen
und deutschen Imperialisten und ihre sozialdemokratischen Handlanger waren
besonders beunruhigt über den wachsenden Einfluß der KPD, die
nach der Vereinigung 300.000 Mitglieder zählte. Bei Wahlen im mitteldeutschen
Industriegebiet errang sie die höchste Stimmenzahl aller Parteien.
Aus panischer Angst vor einem neuen Ausbruch der Revolution beschloß
die Bourgeoisie, die revolutionären Arbeiter mit Hilfe der Sozialdemokratie
durch Provokationen zu einem vorzeitigen Aufstand zu reizen, um sie auf
diese Weise leichter niederschlagen zu können. Unter dem Vorwand,
Fabriken gegen "verbrecherische Elemente" zu schützen,
ließ der sächsische sozialdemokratische Oberpräsident
Hörsing am 18. März alle wichtigen Betriebe von den Polizeitruppen
besetzen. Sie durchsuchten und durchwühlten die Wohnungen, schlugen
und beschimpften die Arbeiter und verhafteten viele von ihnen.
Als Antwort auf diese Provokationen rief die KPD am 21. März 1921
die Kumpels des Mansfelder Kupferbergbaus zum Generalstreik auf. Der Generalstreik
dehnte sich rasch über ganz Mitteldeutschland aus und ging in vielen
Orten in bewaffnete Kämpfe über. Die Arbeiter schlossen sich
zu bewaffneten Abteilungen zusammen, besetzten die Fabriken - so die Leunawerke
bei Merseburg - und brachten der Polizei ernste Verluste bei. Einer der
Führer eines solchen bewaffneten Arbeitertrupps war Max Hölz,
der jedoch auf eigene Faust handelte und die Direktiven der KPD mißachtete.
Dadurch verdarb er mehr, als er und seine Schar durch ihren kühnen
Kampf erreicht hatte.
Infolge der Zersplitterung der Arbeiteraktionen und der Übermacht
der Regierungstruppen wurden Anfang April die bewaffneten Abteilungen
der Arbeiter niedergeschlagen. Eine der Ursachen der Niederlage bestand
darin, daß die streikenden Arbeiter der Leunawerke sich auf die
Verteidigung beschränkten und den Arbeitern in anderen Gebieten nicht
zu Hilfe eilten.
Tapfer hatten etwa 100.000 mitteldeutsche Arbeiter in Streiks und bewaffnete
Aktionen gegen die militärisch überlegene Konterrevolution gekämpft.
Die Polizeitruppen gingen gegen die unterlegenen Arbeiter mit viehischer
Brutalität vor. 145 Arbeiter fielen, etwa 6000 Revolutionäre
wurden verhaftet. Aufgrund vom sozialdemokratischen Reichspräsidenten
Ebert erlassenen Verordnungen wurden Sondergerichte geschaffen. Rund 4000
Märzkämpfer wurden zu insgesamt 3000 Jahre Zuchthaus verurteilt.
So wüteten Polizei und Klassenjustiz der Weimarer "Demokratie"
gegen klassenbewußte Arbeiter.
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Der Hauptgrund für das Scheitern der Aktionen lag nicht darin, daß
keine einheitliche Führung dieser Bewegung vorhanden war, sondern
daß sich in der Führung der KPD solche parteifeindlichen Elemente
wie Paul Levi, Ruth Fischer, Maslow u.a. eingeschlichen hatten. Levi fiel
den kämpfenden Arbeiteren regelrecht in den Rücken, indem er
in den entscheidenden Tagen die Massen zur Einstellung des Kampfes aufrief
und der Partei Putschismus vorwarf. Nicht minder gefährlich war die
von Thalheimer, Ruth Fischer u.a. vertretene sogenannte "Offensivtheorie".
Diese Theorie ging von der falschen Auffassung aus, daß die Vorhut
allein, ohne Unterstützung durch die breiten Massen der Werktätigen
siegen könne und daß man zur Vermeidung von Niederlagen von
der Verteidigung zur Offensive übergehen müsse, ganz gleich,
ob die Voraussetzungen für den Sieg gegeben waren oder nicht. Das
war gerade das, was die Feinde der Arbeiterklasse wollten. Die revolutionäre
Vorhut sollte vorzeitig, unvorbereitet ohne feste Verbindung mit den Massen
hergestellt zu haben, in den Kampf gehen und auf diese Weise leicht niedergeschlagen
werden können.
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