Inflation Anfang der 20er Jahre
Plakat der KPD
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Die Weimarer Republik
Die revolutionäre Krise im Herbst 1923
Besondere Bedeutung für die Klassenauseinandersetzungen hatte erneut
die Entwicklung in Mitteldeutschland. In Sachsen und Thüringen bestand
ein für die Arbeiterklasse verhältnismäßig günstiges
Klima. Die Einheitsfrontbewegung war hier schon weiter entfaltet als in
anderen Teilen Deutschlands. Ein beträchtlicher Teil der sozialdemokratischen
Mitglieder und Funktionäre war bestrebt eine entschlossene Regierung
der Einheitsfront zu bilden. Anknüpfend an solche Forderungen beschloß
die KPD den Eintritt der Kommunisten in eine solche Regierung. Am 10.
Oktober in Sachsen, sechs Tage später in Thüringen, wurden Arbeiterregierungen
geschaffen, die aus Koalitionen von linken Sozialdemokraten und Kommunisten
bestanden. In Thüringen vereinbarten KPD und VSPD ein gemeinsames
Regierungsprogramm. Darin hieß es u.a., daß die "Sicherstellung
der Existenz der werktätigen Bevölkerung und der entschiedenste
Kampf gegen den Faschismus, Revanchepolitik, Reaktion und die verfassungswidrige
Militärdiktatur" Grundlage der Regierungspolitik sein sollte.
Doch die Arbeiterregierungen enttäuschten die Hoffnungen der Massen.
Der Staatsapparat blieb unverändert. Den Befehlen des Reichswehrkommandeurs
folgend, beteiligten sich Polizei- und Justizorgane in Sachsen an der
Unterdrückung der kommunistischen Presse, während Kommunisten
in der Regierung saßen. Vor allem aber machten die Regierungen,
trotz Zusage, keine wirksamen Schritte zur unmittelbaren Verbesserung
der materiellen Lage der Arbeiter, der Bauern usw. Man begnügte sich
mit Appellen an die Unternehmer und die Banken. Die Regierungen vermochten
so nicht, ein festes Vertrauen unter den Werktätigen zu schaffen.
Die großkapitalistischen Kräfte nutzten das aus. Sie verstärkten
ihre Angriffe und verlangten von der Reichsregierung, zur Wiederherstellung
von "Ruhe und Ordnung" schleunigst die Reichswehr in Mitteldeutschland
einmarschieren zu lassen.
Der zugespitzte Klassenkampf verstärkte die Schwankungen der linken
sozialdemokratischen Führer. Die kommunistischen Regierungsmitglieder
wurden durch die Konzeption, alle Massenbewegungen bis zum "Tag des
Entscheidungskampfes" abzubremsen, des notwendigen Rückhalts
unter den Massen beraubt, was die Möglichkeiten einer revolutionären
Ausnutzung ihrer Regierungspositionen einschränkte. Georgi Dimitroff
umriß 1935 in seiner Rede auf dem VII. Weltkongreß der Kommunistischen
Internationale die Fehler der Kommunisten: "... die Kommunisten,
die sich an der Regierung beteiligten, hätten ihre Positionen vor
allem zur Bewaffnung des Proletariats ausnützen müssen. Sie
haben das nicht gemacht. Sie haben nicht einmal eine einzige Wohnung der
Reichen beschlagnahmt, obwohl die Wohnungsnot der Arbeiter so groß
war, daß viele mit Frau und Kind kein Obdach hatten. Sie unternahmen
auch nichts, um die revolutionäre Massenbewegung der Arbeiter zu
organisieren. Überhaupt verhielten sie sich wie gewöhnliche
parlamentarische Minister im `Rahmen der bürgerlichen Demokratie`."
Mitte Oktober 1923 spitzte sich die politische Lage in Deutschland zu.
In zahlreichen Städten kam es zu ausgedehnten Hungerunruhen. Bei
Hungerdemonstrationen in Berlin, Frankfurt/M, Gelsenkirchen, Köln,
Mannheim, Solingen usw. ging die Polizei brutal gegen die Demonstranten
vor und tötete und verletzte viele. Am 13. Oktober billigte der Reichstag
- auch mit den Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion - ein Ermächtigungsgesetz,
das es der Regierung ermöglichte, unter Ausschaltung des Parlaments
mit Notverordnungen zu regieren.
Unter diesen Bedingungen beschleunigte die Regierung Gustav Stresemann
die Vorbereitungen für einen Einmarsch der Reichswehr in Sachsen
und Thüringen und die Beseitigung der verfassungsmäßig
zustande gekommenen Regierungen dieser Länder. Am 21. Oktober begann
der Reichswehreinmarsch - mit ausdrücklicher Billigung der rechten
SPD-Führer - in Sachsen.
Am Vorabend dieser Reichsexekution beschloß die Führung der
KPD, den Generalstreik einzuleiten, aus dem, entsprechend dem Aufstandsplan,
die bewaffnete Erhebung zum Sturze der Regierung Stresemann hervorgehen
sollte. Der Aufruf an die gesamte Arbeiterklasse zum Generalstreik und
zum Kampf um die Arbeiter- und Bauernregierung sollte von einer Konferenz
der sächsischen Regierung mit Vertretern der Betriebsräte, Gewerkschaften
und Kontrollausschüsse Sachsen ergehen, die zum 21. Oktober nach
Chemnitz einberufen worden war. Es wurde weiter festgelegt, daß
am 23. Oktober die bewaffnete Erhebung in Hamburg beginnen sollte, die
als Signal für den Aufstand in ganz Deutschland gedacht war.
Auf der Chemnitzer Konferenz kam es jedoch zu keinem gemeinsamen Aufruf
linker Sozialdemokraten und Kommunisten für einen Generalstreik.
Die Führung der Partei lag zu diesem Zeitpunkt in den Händen
von Opportunisten wie Brandler und Thalheimer. Sie wollten keinen Aufstand,
sondern Übereinkommen mit der Sozialdemokratie. Die Zentrale der
KPD beschloß daraufhin, den bewaffneten Aufstand aufzuheben.
In Hamburg hatte die Partei, die hier im Laufe des Jahres 1923 auf 18.000
Mitglieder angewachsen war, eine beharrliche Massenpolitik betrieben.
In harten Klassenauseinandersetzungen mit der reaktionären Politik
des Senats der Hansestadt, der von rechten Sozialdemokraten geleitet wurde,
gewann die KPD Sympathie in breiten Arbeitermassen.
Am 22. Oktober traten, einem Aufruf der Partei folgend, die Arbeiter
der meisten Hamburger Werften sowie die Hafen-, Bau- und Holzarbeiter
in den Streik. Der gesamte Hamburger Hafen war stillgelegt. In der Stadt
herrschte eine gespannte Atmosphäre. Die Streiks und Demonstrationen
der Hamburger Arbeiter fanden die Zustimmung der Angehörigen der
Mittelschichten. Die Hamburger Polizei war der Massenbewegung gegenüber
machtlos.
In den Morgenstunden des 23. Oktober stürmten die Kampftrupps der
Arbeiter 17 von 26 im Aufstandsplan festgelegten Polizeirevieren und entwaffneten
die völlig überraschten Polizisten. Drei Tage lang leisteten
die Hamburger Arbeiter einer Übermacht von 6000 Mann Polizeitruppen
heroischen Widerstand. Ungebrochen in ihrem Kampfesmut zogen sie sich
schließlich in musterhafter Disziplin und Ordnung zurück. Der
Hamburger Aufstand blieb ohne Erfolg, weil wiederum die rechten sozialdemokratischen
Führer die Konterrevolution aktiv unterstützten und weil die
"Brandlerleute" (die Opportunisten in der Partei) mit ihrer
feigen Kapitulationspolitik die Kräfte der Partei und der Arbeiterklasse
zersplitterten.
Nach der Niederschlagung der revolutionären Bewegung im Oktober
1923 setzte überall in Deutschland ein verstärkter Terror gegen
die revolutionären Arbeiter ein. Die KPD und ihre Presse wurden verboten.
Der Sieg über die Arbeiter Sachsens, Thüringens und Hamburgs
ermutigte Hitler und seine Kumpane, im November 1923 den Versuch zu machen,
die Macht an sich zu reißen. Aber der Hitlerputsch in München
wurde nicht von den entscheidenden reaktionären Kreisen der deutschen
Bourgeoisie unterstützt und erlitt ein Fiasko.
Der Kampf zwischen dem deutschen Monopolkapital und den revolutionären
Kräften der deutschen Arbeiterklasse in der ersten Periode der Weimarer
Republik endete dank der verräterischen Rolle der rechten sozialdemokratischen
Führer mit dem Wiedererstarken des deutschen Imperialismus, einer
vorübergehenden Stabilisierung des Kapitalismus und der vorläufigen
Niederschlagung der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung.
Die Periode der relativen Stabilisierung )
Die Inflationsgewinne und der Zustrom amerikanischer Milliarden ermöglichten
es den deutschen Monopolen, nicht nur ihren Besitz durch den Aufkauf vieler
kleiner und mittlerer Betriebe zu vergrößern. Zur Erhöhung
der Profite wurde der Produktionsapparat modernisiert. Rationalisierung
war angesagt. Die Leistungsfähigkeit der Betriebe wurde erhöht.
Dieser Aufschwung in Produktion und Handel wird als relative Stabilisierung
des Kapitalismus bezeichnet. Der wirtschaftliche Aufschwung der meisten
kapitalistischen Länder in dieser Periode beruhte hauptsächlich
auf der verschärften Ausbeutung der ArbeiterInnen und auf der Verstärkung
der Ausplünderung der Kolonien sowie anderer abhängiger Länder.
Dies ging damit einher, daß die revolutionäre Flut in Deutschland
und den übrigen europäischen Ländern zum Stillstand gekommen
war, daß eine Ebbe der Revolution eingesetzt hatte und die Bourgeoisie
ihre Positionen festigen konnte.
Die KPD befand sich seit Ende 1923 in einer schwierigen Lage. Ihre Mitglieder
und Funktionäre wurden verfolgt, ihre Arbeit mußte unter illegalen
Bedingungen vor sich gehen. Auf dem illegalen 9. Parteitag in Frankfurt/M
im April 1924 wurden die Opportunisten Brandler und Thalheimer, die vor
der Reaktion jämmerlich zurückgewichen waren und einen prinzipienlosen
Koalitionsschacher mit der SPD betrieben hatten, aus der Führung
der KPD entfernt. In das ZK und das Politbüro wurden jedoch nicht
nur ein solch aufrechter konsequenter Kämpfer wie Ernst Thälmann
gewählt, sondern auch Ultralinke wie Ruth Fischer, Maslow, Korsch,
Urbahns, Scholem u.a. Diese nutzten die Enttäuschung der Parteimitglieder
über den Verrat Brandlers und Thalheimers aus und versuchten, die
Partei durch scheinrevolutionäre Phrasen irrezuführen. Diese
Leute hemmten die Entwicklung der KPD zu einer revolutionären Massenpartei.
Sie täuschten die Massen über die Veränderung in der internationalen
politischen Situation, indem sie nach wie vor von der unmittelbaren bevorstehenden
Revolution sprachen. Sie vernachlässigten die Gewerkschaftsarbeit
und führten keinen Kampf gegen die Massenaustritte aus den Gewerkschaften
und für die Wiederaufnahme der ausgeschlossenen revolutionären
Arbeiter.
Ernst Thälmann, der die Verlogenheit und Verderblichkeit der Politik
der "ultralinken" Gruppen durchschaute, eröffnete mit anderen
Genossen einen entschlossenen Kampf gegen sie. Thälmann begann ein
intensives Studium des Marxismus-Leninismus, wobei die wertvollen Ratschläge
J.W. Stalins genutzt wurden. Um den deutschen Kommunisten zu helfen, eine
Partei neuen Typus zu schaffen, formulierte Stalin die 12 Bedingungen
für eine solche Partei. Er wies mit Nachdruck darauf hin, daß
die KP zur entscheidenden Kraft in der Arbeiterklasse werden muß,
daß sie die Mehrheit der Arbeiterklasse gewinnen muß. Ohne
in den Gewerkschaften zu arbeiten, kann man nicht die Arbeiterklasse gewinnen.
Unter der Führung Thälmanns befreite sich die Partei von den
parteifeindlichen Gruppierungen und wurde zu der großen revolutionären
Massenpartei.
Der Aufschwung des Kampfes der Werktätigen in
den Jahren 1927/28
Im Jahre 1927 trat in Deutschland eine neue Zuspitzung der politischen
Situation ein. Die Unternehmer rüsteten mit allen Mitteln zum Kampf
gegen die Arbeiterschaft. Durch eine große Zahl reaktionärer
Gesetze sollte die Arbeiterschaft weiter entrechtet werden. Das Anwachsen
der faschistischen Gefahr zeigte sich in der Bildung wohlorganisierter,
von den Unternehmern ausgehaltener faschistischen Trupps. Im Juni 1928
wurde eine Regierung mit dem Sozialdemokraten Hermann Müller an der
Spitze gebildet. Sie erhöhte die Steuern für die Werktätigen.
Gleichzeitig erhöhte sie die Subventionen für die Industrie
und unterstützte die Junker. Bereits in ihrer Regierungserklärung
forderte sie die Wiederaufrüstung Deutschlands und stimmte dem Bau
des Panzerkreuzers "A" zu.
Die KPD trat gegen diese Politik der Aufrüstung auf und forderte
einen Volksentscheid. Bereits 1926 wurde auf Initiative der KPD in Absprache
mit der SPD und Gewerkschaften ein Volksentscheid gegen die Fürstenabfindung
beschlossen. In einem Volksbegehren erklärten sich 12,5 Millionen
Stimmberechtigte für die Durchführung eines Volksentscheids.
Am 20. Juli 1926 gaben dann 14,5 Millionen ihre Stimme für die Enteignung
der Fürsten. Die notwendigen 20 Millionen Stimmen wurden aber nicht
erreicht, und so mußte das deutsche Volk in den folgenden Jahren
gewaltige Summen als "Abfindung" an seine früheren Unterdrücker
zahlen.
Die Kosten für den Bau des ersten Panzerkreuzers, dem drei weitere
folgen sollten, betrugen 80 Millionen RM. Die Kommunisten riefen zum Volksbegehren
gegen diese Wiederaufrüstung auf. Die sozialdemokratischen Partei-
und Gewerkschaftsführer forderten ihre Mitglieder auf, sich nicht
am Volksbegehren zu beteiligen. Der Volksentscheid kam so nicht zustande.
Die KPD trat überall konsequent für die Interessen des werktätigen
Volkes auf und das Vertrauen der Werktätigen zu ihr nahm immer mehr
zu. Ernst Thälmann wandte sich auch an die notleidenden Bauern, die
unter der Herrschaft der Junker und Monopolkapitalisten in Schulden gerieten.
Unter seiner Führung kämpfte die KPD für die Verbesserung
der Lebenshaltung der werktätigen Bauern. Ihr Ziel war ein festes
Bündnis zwischen der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft.
Um den wachsenden Einfluß der KPD auf die Werktätigen einzudämmen,
verbot der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin, Zörgiebel,
den Berliner Arbeitern, am 1. Mai 1929 zu demonstrieren. Trotz des Verbotes
folgten über 100.000 Arbeiter dem Aufruf der KPD und demonstrierten
auf den Straßen Berlins. Die Polizei erhielt den Befehl, rücksichtslos
auf die Demonstranten zu schießen. Es kam zu blutigen Zusammenstößen.
Dabei wurden 29 Arbeiter getötet und über 100 verletzt.
Die Regierung verbot nicht nur Demonstrationen und Versammlungen der
KPD, sondern unterdrückte auch die kommunistischen Zeitungen. Allein
die ROTE FAHNE mußte fünfzigmal ihr Erscheinen für mehrere
Wochen einstellen. Alle Verbotsmaßnahmen konnten jedoch nicht verhindern,
daß die KPD immer mehr zur Kampfpartei aller fortschrittlichen Arbeiter
und Ernst Thälmann der beliebteste Führer der deutschen Arbeiterklasse
wurde.
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